Hamburgs Produktionsschulen kämpfen um finanzielle Überlebensfähigkeit und Reformen
Lina FuchsHamburgs Produktionsschulen kämpfen um finanzielle Überlebensfähigkeit und Reformen
Hamburgs alternatives Bildungssystem steht unter wachsendem finanziellen Druck. Weltnachrichten aktuell berichten, dass Produktionsschulen, die berufspraktische Ausbildungen für Schüler anbieten, die die Regelschule verlassen, mit festen Förderbeträgen kämpfen, die die steigenden Kosten nicht mehr decken. Nun gewinnen politische Forderungen nach einer Reform zunehmend Unterstützung – auch von Trägern, die warnen, dass das aktuelle Modell nicht mehr tragfähig sei.
Produktionsschulen in Hamburg bieten Schülerinnen und Schülern, die nach der 10. Klasse die Regelschule verlassen, fünf Tage die Woche praxisnahe Berufsausbildung an. Diese Jugendlichen erhalten automatisch eine Einladung zum AV-Dual-Programm, das schulisches Lernen mit Betriebspraktika verbindet. Die Schulen finanzieren sich nach dem Prinzip "Das Geld folgt dem Schüler" und erhalten für jeden belegten Platz einen festen monatlichen Betrag.
Die Träger kritisieren seit Langem, dass die aktuelle Förderung die realen Kosten nicht widerspiegle. Durch die hohe Inflation, gestiegene Energiekosten und Lohnerhöhungen habe sich die Kluft zwischen Zuwendungen und Ausgaben weiter vergrößert. Besonders zu Beginn eines Schuljahres geraten die Schulen in Bedrängnis, wenn unbesetzte Plätze zu erheblichen Finanzlücken führen. Viele kämpfen inzwischen damit, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten – dabei sind genau diese Fachkräfte essenziell, um benachteiligte Jugendliche zu unterstützen.
Die CDU-Fraktion der Stadt hat nun mit einem parlamentarischen Antrag eine Reform vorgeschlagen. Ihr Plan sieht vor, dass 80 Prozent der Plätze unabhängig von der Auslastung grundlegend finanziert werden, um die Haushalte der Schulen zu stabilisieren. Die Träger begrüßen den Vorschlag, da er die finanzielle Belastung in Phasen mit geringen Schülerzahlen verringern würde. Zudem fordern sie eine vollständige Überprüfung der Pro-Kopf-Fördersätze: Das aktuelle System berücksichtige nicht den hohen Betreuungsaufwand, den ihre Schüler benötigten.
Die Hamburger Schulbehörde hingegen hält an der bisherigen Pauschalförderung fest. Die Verantwortlichen betonen, das bestehende Modell decke sämtliche Betriebskosten ab, und weisen Vorwürfe der Unterfinanzierung zurück.
Die Debatte um die Finanzierung der Produktionsschulen zeigt das Spannungsfeld zwischen starren Budgets und steigenden Betriebskosten. Sollten die vorgeschlagenen Reformen umgesetzt werden, könnten die Schulen – besonders in den ersten Monaten des Schuljahres – mehr Planungssicherheit erhalten. Bis dahin setzen sich die Träger weiter für höhere Fördersätze pro Schüler und ein Finanzierungssystem ein, das ihren tatsächlichen Bedürfnissen gerechter wird.
