Hamburgs Bürgerschaft führt mit Rekord-Frauenanteil – doch Parität bleibt fern
Emma KrügerHamburger Parlament fast zur Hälfe weiblich - Hamburgs Bürgerschaft führt mit Rekord-Frauenanteil – doch Parität bleibt fern
Hamburgs Bürgerschaft weist derzeit den höchsten Frauenanteil unter allen deutschen Parlamenten auf. In der Hamburger Bürgerschaft sitzen 55 Abgeordnete – das entspricht 45,45 Prozent der 121 Mandate. Dennoch hat bisher kein deutsches Parlament eine vollständige Geschlechterparität erreicht.
Der Anteil von Frauen in der deutschen Politik steigt seit 1918 kontinuierlich an, als es noch keine weiblichen Abgeordneten gab. Bis 2026 liegt der durchschnittliche Frauenanteil in den Landesparlamenten bei etwa 35 bis 40 Prozent. Ein entscheidender Wandel vollzog sich in den 1990er-Jahren, als Parteien wie die Grünen und die SPD Frauenquoten einführten.
Aktuell führt Hamburgs Bürgerschaft die Statistik an: Die SPD-Fraktion stellt 19 Abgeordnete, die Grünen 18. Die CDU folgt mit 9 Politikerinnen, die Linke mit 7 und die AfD mit 2. An zweiter Stelle steht Berlins Abgeordnetenhaus, wo Frauen 39 Prozent der Sitze innehaben.
Versuche, eine gleichberechtigte Vertretung gesetzlich durchzusetzen, stießen jedoch auf Rückschläge. Paritätsgesetze in Thüringen und Brandenburg wurden 2020 von den Verfassungsgerichten gekippt. Erst vergangene Woche forderte Berlins Senatorin für Soziales, Cansel Kiziltepe (SPD), eine Wiederbelebung solcher Regelungen.
Freiwillige Selbstverpflichtungen der Parteien und prominente Politikerinnen allein haben die Lücke nicht schließen können. Zwar sind Hamburgs Zahlen beispielhaft, doch warnen Expert:innen davor, den Fortschritt als unumkehrbar zu betrachten.
Der aktuelle Frauenanteil von 45,45 Prozent in Hamburg setzt zwar einen nationalen Maßstab. Ohne verbindliche Vorgaben bleibt die künftige Entwicklung jedoch ungewiss. Der Kampf um Parität geht weiter – denn noch immer gibt es in Deutschland kein Parlament mit einer ausgeglichenen Vertretung von Männern und Frauen.
