09 March 2026, 10:02

Berlin testet KI-Überwachung an Regierungsgebäuden – mehr Sicherheit oder Risiko?

Zwei Überwachungskameras, die an der Seite eines Gebäudes montiert sind, mit einer Glaswand im Vordergrund und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.

AI-Überwachungstest im Rathaus und Parlament - Berlin testet KI-Überwachung an Regierungsgebäuden – mehr Sicherheit oder Risiko?

Berlin startet Testlauf für KI-gestützte Videoüberwachung an Regierungseinrichtungen

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Die Hauptstadt will an zentralen Regierungsstandorten ein Pilotprojekt für KI-basierte Videoüberwachung einführen. Das System soll das Rote Rathaus, das Abgeordnetenhaus sowie die Senatsverwaltung für Inneres überwachen. Die Behörden argumentieren, die Technologie entlaste die überlasteten Polizeikräfte und gewährleiste gleichzeitig die öffentliche Sicherheit.

Hintergrund des Tests sind Bedenken zur Nachhaltigkeit der aktuellen Sicherheitsmaßnahmen. Derzeit unterstützen rund 400 voll ausgebildete Beamte das Personal in politischen Institutionen und diplomatischen Vertretungen – eine Belastung, die Polizeipresidentin Barbara Slowik Meisel als 'nicht mehr tragbar' bezeichnet hat. Die KI soll diese Last verringern, indem sie Kamerabilder nach verdächtigem Verhalten analysiert und automatisierte Warnmeldungen versendet.

Der Fokus liegt auf der Erkennung ungewöhnlicher Muster in der Nähe von Regierungsgebäuden und Legislativbüros. Sämtliche erhobenen Daten werden anonymisiert, ohne Speicherung biometrischer Merkmale oder persönlicher Identitäten. Die Verantwortlichen betonen, der Test stehe im Einklang mit dem geänderten Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung, das den Einsatz von KI zum Schutz kritischer Infrastruktur erlaubt.

Kritik gibt es bereits am fehlenden öffentlichen Konsultationsprozess. Der Linken-Politiker Niklas Schrader verurteilte die Entscheidung, KI-Überwachung in der Nähe des Abgeordnetenhauses ohne parlamentarische Debatte zu testen. Er fordert eine formelle Behandlung des Themas im Parlament, bevor es weitergeht.

Rechtliche Vorgaben ergeben sich aus dem EU-KI-Gesetz, der DSGVO und den Berliner Datenschutzbestimmungen. Biometrische Identifizierung ist ausdrücklich verboten, zudem muss das System Transparenzanforderungen erfüllen, Risikobewertungen durchlaufen und der Aufsicht durch Datenschutzbehörden unterliegen. Experten warnen jedoch, dass verhaltensanalysierende KI zu Fehlalarmen und unzuverlässigen Ergebnissen führen kann.

Der Test soll zeigen, ob KI die Sicherheit erhöhen kann, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen. Bei Erfolg könnte das System auf weitere Risikostandorte ausgeweitet werden. Bis dahin müssen die Behörden operative Erfordernisse mit rechtlicher Konformität und öffentlichem Vertrauen in Einklang bringen.

Quelle