06 March 2026, 02:01

Sechs Jahre nach dem Hanau-Anschlag: Familie Kurtović kämpft weiter um Gerechtigkeit

Eine detaillierte Karte von Hanau, Deutschland, in Blau und Weiß, die Straßen, Sehenswürdigkeiten und Text zeigt.

Erinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff fordert Vielfalt - Sechs Jahre nach dem Hanau-Anschlag: Familie Kurtović kämpft weiter um Gerechtigkeit

Angehörige und Freunde versammelten sich, um sechs Jahre nach seinem Tod im Hanau-Anschlag 2020 an Hamza Kurtović zu erinnern. An der Gedenkfeier nahm auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff teil, der sich gegen Diskriminierung aussprach und zu mehr Solidarität in den Bundesländern aufrief. Unter den Gästen waren Hamzas Vater, Armin Kurtović, sowie prominente Vertreter der örtlichen jüdischen und evangelischen Gemeinden.

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Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Attentäter in Hanau bei einem rassistisch motivierten Anschlag neun Menschen getötet. Vor seinem Suizid ermordete er zudem seine eigene Mutter. Zu den Opfern gehörte auch Hamza Kurtović, dessen Familie seither für Gerechtigkeit und die Anerkennung der rassistischen Tatmotive kämpft.

Die Familie Kurtović kritisierte wiederholt die Behörden wegen ihres Umgangs mit dem Fall. Sie wies auf Versäumnisse in den Ermittlungen hin, insbesondere auf den verschlossenen Notausgang am zweiten Tatort. Im November 2023 reichten Armin Kurtović und seine Frau Dijana eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein, um Verantwortung für den Tod ihres Sohnes in Deutschland einzufordern.

Bei der Gedenkveranstaltung besuchte Wulff gemeinsam mit Armin Kurtović das Grab von Hamza. Er verurteilte die deutsche Tendenz, Diskriminierung zu ignorieren, und forderte einen entschlosseneren Einsatz für Vielfalt in ganz Deutschland. Auch Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, nahmen an der Zeremonie teil.

Seit dem Hanau-Anschlag hat die öffentliche Debatte über rassistische Gewalt in Deutschland an Schärfe gewonnen. Im Fokus stehen die übergreifende Bedrohung durch rechtsextreme Strukturen – von Online-Netzwerken bis zu Einzeltätern. Kritiker verweisen auf institutionelle Versäumnisse und ziehen Parallelen zu anderen rechtsterroristischen Anschlägen, etwa denen des NSU, in Solingen oder in Halle. Die Angehörigen der Opfer fordern weiterhin die Aufarbeitung systemischer Defizite bei der Bekämpfung solcher Verbrechen in Deutschland.

Die Gedenkfeier markierte einen weiteren Schritt im langen Kampf der Familie Kurtović um Gerechtigkeit. Ihre Verfassungsbeschwerde wird derzeit vom Bundesverfassungsgericht geprüft. Unterdessen halten die Forderungen nach härterem Vorgehen gegen Rechtsextremismus und institutionellen Reformen in ganz Deutschland an.

Quelle