03 February 2026, 04:04

Wolfsstreit in Baden-Württemberg: Artenschutz oder Bejagung?

Eine Gruppe von Bibern in einem bewaldeten Gebiet umgeben von Bäumen, Gras und Wasser mit Text am unteren Bildrand.

Forscher bestätigen: Weniger Jagen kann mehr schützen - Wolfsstreit in Baden-Württemberg: Artenschutz oder Bejagung?

Wölfe, Biber, Saatkrähen: Baden-Württembergs Streit um den Artenschutz

In Baden-Württemberg hat sich der Wolfsbestand in den vergangenen fünf Jahren stark vermehrt. Die offiziellen Zahlen stiegen von etwa zwölf Tieren im Jahr 2019 auf 62 im Jahr 2023 an – die meisten Rudel haben sich im Nordschwarzwald und im Odenwald angesiedelt. Der rasche Anstieg hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie sich die Art neben anderen Wildtieren wie Bibern und Saatkrähen sinnvoll managen lässt.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) nahm den Wolf Ende Dezember per Erlass in die Liste der jagdbaren Tiere auf. Wissenschaftler warnen jedoch, dass Bejagung nach hinten losgehen könnte: Getötete Wölfe werden oft schnell durch neue ersetzt, was Angriffe auf Nutztiere sogar verstärken könnte. Studien zeigen, dass nicht-tödliche Methoden wie verstärkte Zäune oder Herdenschutzhunde Konflikte wirksamer verhindern.

Die CDU will nun auch Biber und Saatkrähen in die Jagdverordnung aufnehmen. Die Grünen lehnen dies ab und setzen stattdessen auf gezieltes Management – etwa durch Biber-Lenkungssysteme oder Schutzanordnungen. Biber tragen maßgeblich zur Renaturierung von Flüssen und Feuchtgebieten bei, während Wölfe durch die Regulierung von Reh- und Hirschbeständen die Waldverjüngung fördern.

Die Einbeziehung geschützter Arten in das Jagdrecht bringt zudem bürokratische Hürden mit sich. Fachleute betonen, dass Bejagung selten zu einer dauerhaften Bestandsreduzierung führt, da sich die Tiere durch höhere Fortpflanzungsraten oder die Besiedlung neuer Gebiete anpassen.

Der Konflikt spiegelt die grundsätzlichen Unterschiede in der Wildtierpolitik Baden-Württembergs wider. Während die einen für strengere Kontrollen plädieren, setzen andere auf Koexistenzstrategien, die sowohl Ökosysteme als auch Nutztierhaltung schützen. Die Entscheidung wird mitbestimmen, wie die Region in den kommenden Jahren Naturschutz und landwirtschaftliche Interessen in Einklang bringt.

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