Wirtschaftsforscher senken Deutschlands Wachstumsprognose drastisch auf 0,6 Prozent
Henry SeidelWirtschaftsforscher senken Deutschlands Wachstumsprognose drastisch auf 0,6 Prozent
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben die Wachstumsprognose für Deutschland drastisch nach unten korrigiert. Die Anpassung folgt auf einen starken Anstieg der Energiepreise, der mit dem anhaltenden Iran-Konflikt in Verbindung steht. Experten erwarten nun eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung sowohl für 2026 als auch für 2027.
Sechs große Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsvorhersage für Deutschland im Jahr 2026 deutlich gesenkt. Sie rechnen nun nur noch mit einem Anstieg von 0,6 Prozent – ein Rückgang gegenüber früheren Schätzungen. Für 2027 wird eine leichte Erholung auf 0,9 Prozent erwartet. Die Abwertung geht auf einen "Energieschock" zurück, der durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde und die Kosten in der gesamten Wirtschaft in die Höhe getrieben hat.
Seit Beginn des Konflikts sind die Energiepreise in Deutschland stark gestiegen. Allein im März 2026 kletterten sie um 7,2 Prozent im Vergleich zu den Vormonaten und trieben die Inflationsrate auf 2,8 Prozent. Auch die Spritpreise schnellen bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn in die Höhe. Zwar sanken die Großhandelspreise für Strom Anfang 2026 um 8,9 Prozent – bedingt durch eine stärkere Windkraftnutzung –, doch die Preise für Gas und Öl bleiben aufgrund von Störungen in der Straße von Hormus hoch.
Die Institute warnen vor kurzfristigen staatlichen Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise. Solche Schritte würden ihrer Ansicht nach Marktsignale verfälschen und die langfristige Stabilität gefährden. Stattdessen empfehlen sie gezielte Hilfen für Haushalte, die mit den gestiegenen Kosten zu kämpfen haben. Laut Timo Wollmershäuser vom ifo Institut mildert die Finanzpolitik zwar bereits den Abschwung, doch die Inflation werde voraussichtlich hoch bleiben – im Schnitt bei 2,8 Prozent in 2026 und 2,9 Prozent in 2027.
Die eigenen Wirtschaftsprognosen der Regierung, die auf dieser Vorhersage basieren, werden am 22. April veröffentlicht. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat zu "mutigen Reformen" aufgerufen, um die gedämpften Wachstumsaussichten anzugehen.
Die überarbeitete Prognose unterstreicht den Druck, dem die deutsche Wirtschaft durch die steigenden Energiepreise ausgesetzt ist. Da die Inflation voraussichtlich zwei Jahre lang über 2,5 Prozent bleiben wird, stehen die politischen Entscheidungsträger vor der Herausforderung, Haushalte zu unterstützen und gleichzeitig die Marktstabilität zu wahren. Die Reaktion der Regierung wird Ende dieses Monats im Detail vorgestellt.






