30 March 2026, 00:02

"Wir wollten frei sein": Wie ein Ausreiseantrag die Niebergalls ins DDR-Gefängnis brachte

Detailierte alte Karte von Weimar, Deutschland, zeigt Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten mit zusätzlichem Text über die Stadt.

"Wir wollten frei sein": Wie ein Ausreiseantrag die Niebergalls ins DDR-Gefängnis brachte

1983 beantragten Peter und Heidi Niebergall die Ausreise aus der DDR in den Westen. Ihr Gesuch führte zu Verhaftung, Prozess und Haft wegen des Vorwurfs der "Staatsuntergrabung". Ihre Geschichte, die sie nun in einer Autobiografie aufarbeiten, wirft ein Schlaglicht auf die harte Realität des Lebens unter dem SED-Regime.

Jahrzehnte später deckte der Fall auch die Justizverbrechen Ekkehard Kauls auf, des Staatsanwalts, der sie damals verfolgte. Kaul selbst wurde später wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung in der DDR-Zeit verurteilt.

Peter Niebergalls frühe Erfahrungen prägten seinen Widerstand gegen die DDR-Führung. 1968 erlebte er die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings mit – ein Ereignis, das seine Skepsis gegenüber dem System weiter verstärkte.

1983 reichten Niebergall und seine Frau Heidi einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik ein. Am 6. August desselben Jahres wurden sie gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern verhaftet. Die von Staatsanwalt Ekkehard Kaul erhobenen Anklagen lauteten auf "staatsfeindliche Hetze" und "Zersetzung staatlicher Tätigkeit".

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Der Prozess gegen Niebergall fand am 27. Oktober 1983 vor dem Kreisgericht Berlin-Pankow statt. Er wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Der Fall steht exemplarisch für die brutale Vorgehensweise der DDR gegen Ausreisewillige und Regimekritiker.

Erst Jahre nach der Wiedervereinigung musste sich Kaul selbst vor Gericht verantworten. 1998 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Niebergall verarbeitete seine Erlebnisse später in dem Buch "Wir wollten frei sein". Darin schildert er die Ungerechtigkeiten des SED-Regimes und zieht Parallelen zu heutigen politischen Entwicklungen. Es ist ein persönlicher Bericht aus einem Staat, in dem Andersdenkende kriminalisiert wurden.

Der Fall der Niebergalls bleibt ein dokumentiertes Beispiel für die Unterdrückung in der DDR. Ihre Autobiografie bewahrt das Gedenken an jene, die sich dem Regime widersetzten oder zu fliehen versuchten. Kauls Verurteilung hingegen machte die Justizwillkür öffentlich, die einst das System stützte.

Quelle