03 February 2026, 16:01

Wie die NS-Diktatur Hamburgs Kultur systematisch zerschlug und Künstler vertrieb

Ein schwarz-weißes Plakat für das Hansa-Theater Hamburg aus dem Jahr 1906, das eine Frau mit einem menschlichen Gesicht in der Mitte und Text zeigt, der das Ereignis beschreibt.

Neue Ausstellung zeigt NS-Kulturpolitik in Hamburg - Wie die NS-Diktatur Hamburgs Kultur systematisch zerschlug und Künstler vertrieb

Eine neue Ausstellung in Hamburg beleuchtet die Kontrolle des NS-Regimes über das kulturelle Leben der Stadt

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Ab diesem Samstag zeigt die Ausstellung "Kultur unter Kontrolle" im Foyer des Rathauses, wie die Nationalsozialisten das Hamburger Kulturleben zwischen 1933 und 1945 systematisch gleichschalteten. Die Schau, die bis zum 10. März zu sehen ist, untersucht, wie Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und jüdische Persönlichkeiten aus dem kulturellen Sektor vertrieben wurden.

Hamburgs Kunst- und Kulturszene gehörte zu den ersten Bereichen, die das NS-Regime ins Visier nahm. Während es vor 1933 keine zentrale Kulturbehörde gab, wurde die kulturelle Verwaltung unter den Nationalsozialisten zu einem Instrument der ideologischen Unterdrückung. Das Regime förderte "germanische" Vor- und Frühgeschichte sowie niederdeutsche Kultur, während alles, was als "entartet" oder jüdisch galt, unterdrückt wurde.

Die Historikerin Maike Bruhns dokumentiert in ihrem Werk "Kunst in der Krise: Hamburger Kunst im 'Dritten Reich'", wie Künstler:innen und Akademiker:innen vertrieben und durch linientreue NS-Anhänger ersetzt wurden. Das "Archiv der NS-verfolgten Künstler in Hamburg" hält die Schicksale der Betroffenen fest und zeigt, wie Hamburg die landesweiten Säuberungen widerspiegelte – etwa an der Universität Kiel, wo Regimeanhänger wie Otto Höfler in Schlüsselpositionen eingesetzt wurden. Anders als in anderen Regionen setzte Hamburg jedoch nicht aktiv auf NS-Kunst, sondern konzentrierte sich darauf, unerwünschte Einflüsse auszulöschen.

Doch auch heute gibt es Warnsignale: Rechtspopulistische und extremistische Bewegungen fordern zunehmend staatliche Kontrolle über die Kultur und verlangen, dass Kunst nationalen oder regionalen Identitätsagenden dienen soll. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) warnt vor jeder Form der Einmischung durch Parteien, Institutionen oder Regierungen in die kulturelle Freiheit.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf ein düsteres Kapitel der Hamburger Geschichte, in dem das kulturelle Leben durch staatliche Repression geprägt wurde. Gleichzeitig mahnt sie, dass die Bedrohungen für die künstlerische Freiheit fortbestehen. Angesichts des Erstarkens nationalistischer Strömungen unterstreicht die Schau die Notwendigkeit, Kultur vor politischer Instrumentalisierung zu schützen.