03 April 2026, 22:03

Warum deutsche Firmen monatelang Stellen nicht besetzen können – und was die EU-Transparenzregeln ändern

Liniengraph, der Trends über die Zeit für die Gesamtzahl der Arbeitslosen, Stellenangebote und Kündigungen zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Warum deutsche Firmen monatelang Stellen nicht besetzen können – und was die EU-Transparenzregeln ändern

Deutsche Unternehmen kämpfen weiterhin mit anhaltenden Einstellungsproblemen – viele haben trotz eines angespannten Arbeitsmarktes Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen Löhne oft zu niedrig ansetzen und diese nicht schnell genug anpassen, sodass Positionen monatelang unbesetzt bleiben. Gleichzeitig bereiten sich Firmen auf die kommenden EU-Regeln zur Gehaltstransparenz vor, die mehr Offenlegung bei Löhnen und geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden verlangen.

Im Januar 2026 gaben 88 Prozent der kleinen Unternehmen in Deutschland an, für freie Stellen kaum oder gar keine qualifizierten Bewerbungen zu erhalten. Besonders betroffen waren wachstumsstarke Betriebe, wie Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Forscher wie Benjamin Friedrich, Associate Professor für Strategie an der Kellogg School of Management, sehen die Ursache darin, dass Arbeitgeber den tatsächlichen Wert bestimmter Positionen oft falsch einschätzen.

Friedrich und sein Team entwickelten ein mathematisches Modell, um zu erklären, warum die Personalengpässe bestehen bleiben. Die Ergebnisse zeigen: Unternehmen unterschätzen häufig die Löhne, die nötig sind, um Arbeitskräfte anzuziehen – vor allem bei Randfunktionen, die weniger mit dem Kerngeschäft verbunden sind. Kleinere Betriebe haben zudem oft keinen Zugang zu verlässlichen Gehaltsdaten, was zu langfristigen Vakanzen führt. Die wirtschaftliche Theorie liefert eine klare Lösung: Höhere Löhne würden voraussichtlich mehr Bewerber anlocken.

Neben den Einstellungsschwierigkeiten rüsten sich deutsche Unternehmen nun für die EU-Richtlinie zur Gehaltstransparenz, die bis Juni 2026 vollständig in Kraft treten soll. Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern müssen dann Gehaltsspannen offenlegen, Analysen zu Lohnunterschieden durchführen und Betriebsräte in Gehaltsüberprüfungen einbinden. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Einkommensungleichheiten abzubauen und die Transparenz bei der Personalgewinnung zu erhöhen. Doch 40 Prozent der Unternehmen sind auf diese Änderungen noch nicht vorbereitet.

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Um sowohl den Fachkräftemangel als auch die Anforderungen an Gehaltstransparenz zu bewältigen, setzen viele Betriebe auf Technologie. Bereits 41 Prozent nutzen KI für die digitale Transformation und planen, datengestützte Initiativen auszubauen – darunter auch "Lohnanalyse"-Tools. Solche Systeme könnten Unternehmen helfen, Gehälter präziser zu vergleichen und wettbewerbsfähige Löhne festzulegen, um Talente zu gewinnen.

Die Kombination aus falsch kalkulierten Löhnen und den bevorstehenden Transparenzvorgaben zwingt deutsche Unternehmen, ihre Einstellungsstrategien zu überdenken. Investitionen in Gehaltsanalysen und KI-gestützte Tools könnten die Personalengpässe verringern – doch die Zeit bis zur Frist 2026 wird knapp. Die Daten deuten darauf hin, dass höhere, besser fundierte Löhne nach wie vor der direkteste Weg sind, um offene Stellen zu besetzen.

Quelle