29 March 2026, 06:03

Tschechien verzeichnet stärkstes Wirtschaftswachstum seit Jahren – doch die Industrie stagniert

Liniengraph, der die Beschäftigungsquote in Frankreich von 2000 bis 2012 zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Tschechien verzeichnet stärkstes Wirtschaftswachstum seit Jahren – doch die Industrie stagniert

Die tschechische Wirtschaft wuchs 2025 um 2,6 % – das stärkste Ergebnis seit Jahren. Treibende Kräfte waren steigende Löhne, sinkende Inflation und ein boomender Bausektor. Der ehemalige Ministerpräsident Andrej Babiš fordert nun tiefgreifende Reformen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern.

Zwischen 2000 und 2025 hat sich das Pro-Kopf-BIP Tschechiens fast vervierfacht und damit das Wachstum der Nachbarländer wie Deutschland und Österreich übertroffen, wo sich die Einkommen lediglich verdoppelten. Babiš führte diesen Erfolg auf die industrielle Stärke des Landes, eine qualifizierte Belegschaft und die enge Verzahnung mit europäischen Lieferketten zurück. Gleichzeitig warnte er, dass die Stagnation im verarbeitenden Gewerbe – insbesondere in der Automobilbranche – die künftige Entwicklung gefährde.

Die Wachstumszahlen für 2025 zeichnen ein gemischtes Bild: Die Bauwirtschaft verzeichnete ihr bestes Jahr seit 2002, und der Dienstleistungssektor florierte. Doch die tschechische Industrie stagniert seit sechs Jahren und hinkt anderen EU-Staaten hinterher. Babiš kritisierte, dass übermäßige Regulierung und kostspielige Klimapolitik die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächen.

Als Lösungsansätze schlägt er Bürokratieabbau, gezielte Investitionen in Schlüsselsektoren und die Sicherung bezahlbarer Energie vor. Zudem forderte er die EU auf, wirtschaftliche Prosperität in den Vordergrund zu stellen, den Binnenmarkt zu vollenden und die nationale Souveränität zu wahren. In der Sicherheitspolitik verglich er die Union mit einem "gut geschützten Dorf" und betonte die Notwendigkeit stärkerer Grenzkontrollen – ohne sich dabei auf externe Verbündete verlassen zu müssen.

Das jüngste Wachstum Tschechiens spiegelt zwar innere Widerstandsfähigkeit wider, doch bleiben Herausforderungen in der Industrie und im globalen Wettbewerb bestehen. Babiš' Forderungen nach Deregulierung, strategischen Investitionen und bezahlbarer Energie entsprechen seiner Vision eines eigenständigeren Europas. Ob diese Pläne Unterstützung finden, wird die wirtschaftliche Zukunft des Landes maßgeblich prägen.

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