Siemens Energy feuert Betriebsratskandidatin – kurz vor der Wahl
Isabella Paape, Betriebsratsmitglied bei Siemens Energy in Erlangen, wurde nur wenige Wochen vor den anstehenden Wahlen überraschend entlassen. Das Unternehmen verweigerte ihr ohne Angabe von Gründen den Zutritt zu den Firmenräumen – ein Vorgehen, das bei Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften Empörung auslöste. Der Schritt wirft einen Schatten auf die für den 3. März geplante Wahl und wird von Kritikern als direkter Angriff auf die Mitbestimmung der Belegschaft gewertet.
Paape war Spitzenkandidatin der Liste "Gemeinsam aktiv" für die Betriebsratswahlen. Ihre plötzliche Entfernung erfolgte mitten im Wahlkampf für ihre Wiederwahl und schnitt sie von den internen Kommunikationsmitteln des Unternehmens ab. Berichten zufolge unterstützten Teile des bestehenden Betriebsrats ihre Entlassung, ohne ihr die Möglichkeit zu geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Arbeitsrechtsexperten stellen die Rechtmäßigkeit des Vorgehens von Siemens Energy infrage. Die IG Metall verurteilte die Maßnahme als skandalös und argumentiert, sie untergrabe die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen. Der Fall hat die Debatte über den Schutz von Mitarbeitervertretern neu entfacht.
Im März 2024 erreichte Paape vor dem Arbeitsgericht Nürnberg eine vorläufige Wiedereinsetzung. Sie setzte ihren Wahlkampf fort und fordert die Rücknahme ihrer für November 2025 verfügten Kündigung – ein Schritt, den sie als Angriff auf die Gewerkschaftsrechte brandmarkt. Eine weitere Verhandlung zu ihrem Kündigungsschutz ist für den 5. Februar, voraussichtlich 2026, angesetzt.
Die Kontroverse überschatten nun die Wahlen am 3. März. Paapes Fall wirft grundsätzliche Fragen zum Schutz von Betriebsratsmitgliedern auf. Die Aktionen von Siemens Energy stehen unter rechtlicher Prüfung und haben die Forderungen nach stärkeren Garantien für die betriebliche Demokratie verschärft. Das Ergebnis der anstehenden Verhandlung wird entscheiden, ob ihre Entlassung Bestand hat – oder ob der Fall ein Präzedenz für künftige Konflikte schafft.
