Nordsee-Köhler verliert MSC-Nachhaltigkeitssiegel – trotz verantwortungsvoller Fischerei
Lina FuchsNordsee-Köhler verliert MSC-Nachhaltigkeitssiegel – trotz verantwortungsvoller Fischerei
Nordsee-Köhlerfischerei verliert MSC-Nachhaltigkeitszertifikat
Die Köhlerfischerei in der Nordsee hat ihr Nachhaltigkeitssiegel des Marine Stewardship Council (MSC) verloren. Der Entzug folgt einer kürzlichen Aktualisierung des wissenschaftlichen Bewertungsmodells, das zur Beurteilung des Bestandszustands herangezogen wird. Zwar gab es keine Verstöße gegen die Vorschriften, doch die Anpassung führte zu einer vorläufigen Aussetzung des Öko-Siegels.
Im Juni 2024 wurde die empfohlene Bestandsgröße für die langfristige Stabilität des Nordsee-Köhlers von 149.000 auf etwa 180.000 Tonnen erhöht. Diese Überarbeitung basiert auf neuen Daten und führte zu einer leichten Überschreitung der nachhaltigen Fanggrenze um 1,3 Prozent für das laufende Jahr. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), der biologische Referenzwerte festlegt, führt jährliche Überprüfungen durch, um eine präzise Bestandsbewirtschaftung zu gewährleisten.
Unabhängige Prüfer – nicht das MSC selbst – entschieden über die Aussetzung der Zertifizierung. Die betroffenen Fischereien hatten vorsorglich bereits beschlossen, rund 18.000 Tonnen – etwa 25 Prozent ihrer Quote für 2024 – nicht zu befischen. Das MSC, eine gemeinnützige Organisation, zertifiziert Fischereien, die strenge Umweltstandards erfüllen. In diesem Fall spiegeln sich jedoch Veränderungen in der Biologie des Bestands wider, nicht etwa ein Fehlmanagement.
Der Verlust des MSC-Siegels hat konkrete Auswirkungen: Händler dürfen den Fisch nicht mehr als zertifiziert nachhaltig vermarkten, und Verbraucher könnten es schwerer haben, umweltfreundliche Meeresfrüchte zu erkennen.
Die Aussetzung ist kein Zeichen für ein Versagen der Fischereipolitik, sondern zeigt die Herausforderungen auf, die mit sich wandelnden Ökosystemen einhergehen. Mit der neuen Bestandsbewertung muss die Branche nun den Verlust eines zentralen Nachhaltigkeitsindikators verkraften. Im Mittelpunkt bleibt die langfristige Sicherung der Nordsee-Köhlerbestände.







