Niedersachsen streitet um Hamburgs Sozialindex für gerechtere Schulfinanzierung
Lina FuchsNiedersachsen streitet um Hamburgs Sozialindex für gerechtere Schulfinanzierung
Bildungsinitiativen in Niedersachsen fordern dringende Reform der Schulfinanzierung
Bildungsverbände in Niedersachsen setzen sich für rasche Änderungen bei den Regeln zur Schulfinanzierung ein. Sie wollen den Sozialindex – ein System, das in Hamburg bereits eingesetzt wird – zu einem rechtlich verbindlichen Bestandteil der Ressourcenverteilung machen. Während Hamburg Personal und Budgets bereits anhand dieses Instruments anpasst, hat das Nachbarland Niedersachsen es bisher noch nicht offiziell eingeführt.
Hamburgs Sozialindex funktioniert wie eine umgekehrte Notenskala: Eine Sechs bedeutet, dass eine Schule kaum soziale Herausforderungen bewältigen muss, eine Eins hingegen weist auf schwere Benachteiligungen hin. Das 2005 eingeführte und zuletzt 2021 aktualisierte System lenkt gezielt zusätzliche Förderung dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Bei der jüngsten Neuberechnung wurden alle 329 staatlichen allgemeinbildenden Schulen der Stadt erfasst. Davon änderten sich die Indexwerte bei 54 Einrichtungen – darunter 22 Grundschulen, an denen sich die Bedingungen verschlechterten, und 19, an denen sie sich verbesserten. Ab dem 1. August 2026 erhalten Schulen mit niedrigeren Werten mehr Personal – in einigen Fällen bis zu 50 Prozent zusätzlich –, während Schulen mit besseren Bewertungen schrittweise Stellen abbauen müssen, jedoch nicht mehr als 2,5 Prozent ihrer Belegschaft pro Jahr.
Die zusätzlichen Lehrkräfte ermöglichen benachteiligten Schulen kleinere Klassen sowie mehr Sprach- und Sonderpädagogik-Angebote. Kritiker in Niedersachsen halten es jedoch für unzureichend, den Index lediglich in eine überarbeitete Verordnung aufzunehmen. Sie fordern eine grundlegende Zuweisung von Unterrichtsstunden, zusätzliches Personal und Budgets, die direkt an den Sozialindex geknüpft sind.
Verbände bezeichnen Hamburgs System als das "Nervenzentrum der Ressourcenverteilung" und drängen Niedersachsen dazu, ein ähnliches, rechtlich verankertes Modell zu übernehmen.
Der Reformdruck wächst, während Hamburgs aktualisierter Index ab kommendem Jahr die Personalausstattung neu gestaltet: Schulen mit höherem Förderbedarf erhalten mehr Mittel, andere müssen sich an gekürzte Unterstützung anpassen. In Niedersachsen bleibt die Debatte bestehen, ob der Sozialindex fester Bestandteil der Finanzierungsentscheidungen werden soll.
