Neuer Roman bringt vergessenen Völkermord an Armeniern in deutsche Schulen
Moritz HartmannNeuer Roman bringt vergessenen Völkermord an Armeniern in deutsche Schulen
Ein neuer Roman soll den Völkermord an den Armeniern in deutsche Klassenzimmer bringen. Im März bei Reclam Verlag erschienen, erzählt Laura Cwiertnias "Auf der Straße tragen wir andere Namen" von Überleben, Gewalt und den Erfahrungen türkischer Gastarbeiter in den 1960er-Jahren. Das Buch erscheint zu einer Zeit, in der Pädagogen diskutieren, wie ein Völkermord vermittelt werden kann, an dem Deutschland selbst mitgewirkt hat.
Der Völkermord an den Armeniern begann 1915, als das Osmanische Reich systematisch rund 1,5 Millionen Armenier ermordete. Deutschland, damals Verbündeter der Osmanen, war in die Gräueltaten verstrickt. Mehr als ein Jahrhundert später bleibt das Thema in Schulstunden weitgehend ausgeklammert.
2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die fordert, den Völkermord in die Lehrpläne aufzunehmen. Doch überfüllte Stoffverteilungspläne, Zeitmangel und fehlende Unterrichtsmaterialien verdrängen das Thema oft. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers argumentiert, dass Literatur diese Lücke schließen könnte. Romane wie der von Cwiertnia, so ihre These, sprechen Schüler emotional an und thematisieren gleichzeitig historisches Trauma.
Die Handlung verknüpft Migration, Konflikte und die langfristigen Folgen des Völkermords. Indem das Buch die Gewalt der Vergangenheit mit dem Leben türkischer Arbeiter im Nachkriegsdeutschland verbindet, bietet es einen Zugang zu einer schwierigen Geschichte. Verlage und Lehrkräfte stehen nun vor der Herausforderung, politische Vorgaben in die schulische Praxis umzusetzen.
Der 111. Jahrestag des Völkermords wurde in diesem Jahr in Schulen kaum thematisiert. Cwiertnias Roman liefert Lehrkräften ein Werkzeug, doch strukturelle Hürden bleiben. Ohne gezielte Ressourcen und Zeit droht der Appell des Bundestags zur Aufklärung ungehört zu verhallt.






