"Marty Supreme": Timothée Chalamet glänzt als Tischtennis-Rebell der 1950er
Moritz HartmannMuskelschmerzen am Set - Timo Boll spricht ├╝ber das Drehen mit Chalamet - "Marty Supreme": Timothée Chalamet glänzt als Tischtennis-Rebell der 1950er
"Marty Supreme" – Ein Film bringt das Tischtennis der 1950er mit Schwung und Historie auf die Leinwand
Der neue Film Marty Supreme lässt das Tischtennis der 1950er-Jahre mit einer Mischung aus temperamentvoller Show und historischem Detail wiederaufleben. Timothée Chalamet glänzt in der Rolle des amerikanischen Spielers Marty Reisman – eine Darstellung, die ihm seinen ersten Golden Globe als Bester Hauptdarsteller in einer Komödie/Musical einbrachte. Hinter den Kulissen sorgte der ehemalige Weltmeister Timo Boll dafür, dass der retrohafte Spielstil authentisch wirkte – und gab sogar selbst ein kurzes Gastspiel im Film.
Der Streifen inszeniert das extravagante, schauorientierte Tischtennis der 1950er, das kaum Ähnlichkeit mit den heutigen wettkampforientierten Turnieren hat. Zu sehen sind spektakuläre Ballwechsel, Tricks wie die "Apfel-in-der-Schale"-Illusion und kunstvolle Schläge, die anhand von Archivaufnahmen realer Matches – etwa der British Open 1952 – choreografiert wurden. Typisch für die Epoche: die damals aufkommenden Schwammbeläge, populär gemacht durch die japanische Spielerin Koto Endo, sowie Verweise auf die underground Clubkultur des Tischtennis in New York. Selbst die Strafgelder der Internationalen Tischtennis-Föderation (ITTF) für Fehlverhalten finden Erwähnung.
Für seine Vorbereitung trainierte Boll intensiv, um moderne Techniken abzulegen und den historischen Stil zu verinnerlichen. Eng arbeitete er mit Chalamet zusammen, probte abgestimmte Ballfolgen und feilte an Bewegungen, die dem flamboyanten, weniger starren Spiel der Zeit entsprachen. Chalamets Hingabe war unübersehbar: Er nutzte Pausen für zusätzliche Übungseinheiten und befragte Boll ausführlich zu den Feinheiten des Sports. Die Dreharbeiten zogen sich oft bis tief in die Nacht – manchmal bis 2 Uhr morgens –, sodass Boll am nächsten Tag mit Muskelkater zu kämpfen hatte.
Bolls Engagement beschränkte sich nicht auf das Coaching. Er ist auch selbst kurz im Film zu sehen und verleiht der Produktion so eine besondere Authentizität für Tischtennisfans. Seine Arbeit half Chalamet, eine Darstellung zu liefern, die sowohl die Athletik als auch die theatralische Note von Reismans Ära einfing.
Die liebevolle Detailtreue des Films – von den Schlägern bis zu skurrilen Regelwerken – zahlt sich in der gelungenen Darstellung des 1950er-Tischtennis aus. Chalamets Golden-Globe-Sieg unterstreicht die Wirkung seiner Performance, während Bolls Hintergrundarbeit dafür sorgte, dass der Sport so gezeigt wird, wie er einst war: eine Zeit, in der Show oft wichtiger war als strenger Wettbewerb. Marty Supreme ist damit eine Hommage an eine Ära, in der Unterhaltung und Sport eine untrennbare Einheit bildeten.
