Kirchen bieten kühle Zuflucht – doch Berlins Senat bleibt in der Kritik
Henry SeidelKirchen bieten kühle Zuflucht – doch Berlins Senat bleibt in der Kritik
Berlins Oppositionsparteien kritisieren Senat für unzureichende Kühlräume während Hitzewellen
Während die Berliner Opposition dem Senat vorwirft, zu wenig gegen die Hitze zu unternehmen, haben Kirchen in der Region die Initiative ergriffen und bieten kühle Rückzugsorte an. Viele ihrer Gebäude bleiben dank ihrer Architektur von Natur aus angenehm temperiert. Nun rufen religiöse Vertreter weitere Gemeinden auf, ihre Türen für die Öffentlichkeit zu öffnen.
Die katholische und evangelische Kirche in Berlin und Brandenburg haben ihre Mitgliedsgemeinden aufgefordert, geeignete Räumlichkeiten als kühle Zufluchtsorte bereitzustellen. Viele dieser Gebäude sind auch ohne Klimaanlage natürlich kühl. Dennoch sind in Berlin nur 13 evangelische Kirchen an jedem Wochentag geöffnet, einige weitere an bestimmten Tagen oder erst dann, wenn die Temperaturen eine bestimmte Schwelle überschreiten.
Die Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg bleibt dank des Engagements von Ehrenamtlichen aus der Gemeinde und dem Stadtteil ganzjährig täglich geöffnet. Auch die Marienkirche am Fernsehturm ist aufgrund des Touristenandrangs durchgehend zugänglich und beschäftigt einen hauptamtlichen Küster. Die Wichern-Kirche in Spandau-Nord hat zwar ihre Türen offen, verzeichnet bisher aber keinen verstärkten Besucherstrom von Hitzegeplagten.
Tobias Schulze, Fraktionsvorsitzender der Linken, wirft dem Senat vor, Kirchen, Einkaufszentren, Bibliotheken und Nachbarschaftshäuser nicht aktiv in die Hitzeschutzplanung einzubinden. Werner Graf, Co-Vorsitzender der Grünen-Fraktion, fordert, dass Kunstmuseen und Ausstellungshallen bei extremer Hitze kostenlos ihre Türen öffnen. Doch viele Gemeinden sind auf begrenzte Mittel und ehrenamtliche Hilfe angewiesen, um ihre Räume zugänglich zu halten.
Der Druck auf den Senat wächst, den Zugang zu kühlen Orten während Hitzewellen zu verbessern. Kirchen leisten einen wichtigen Beitrag – doch ihre Möglichkeiten hängen stark von Freiwilligen und bestehenden Ressourcen ab. Die Opposition pocht unterdessen auf umfassendere Lösungen, die öffentliche und kulturelle Einrichtungen einbeziehen.
