Hamburger Gericht verurteilt homophobe Beleidigungen in der U-Bahn zu 1.200 Euro Strafe
Lina FuchsHamburger Gericht verurteilt homophobe Beleidigungen in der U-Bahn zu 1.200 Euro Strafe
Ein Hamburger Gericht hat einen Mann zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt, weil er im Oktober 2024 einen Fahrgast in der U3 mit homophoben Beleidigungen beschimpft hatte. Bei dem Vorfall griff Michael W. den 22-jährigen Tibor P. verbal an, der von einem Besuch in einem Schwulenclub nach Hause fuhr. Die Richterin lobte zudem eine zufällige Zeugin, die während der Auseinandersetzung eingriff.
Am Abend des 20. Oktober 2024 stieg Tibor P. in der Nähe der Haltestelle Rathaus in die U3 ein. Er trug nach einem Abend in einem Schwulenclub schwarze Lacklederschuhe mit Absätzen. Michael W. starrte zunächst auf seine Schuhe, bevor er in eine wüste Beschimpfung ausbrach: Er nannte ihn unter anderem "Bazille", "Krankheit" und "Schwuchtel".
Tibor P. sagte später aus, er habe sich beobachtet, gedemütigt und verängstigt gefühlt. Zwar kam es zu keiner körperlichen Gewalt, doch beschrieb er die Situation als überwältigend. Solche Vorfälle seien für ihn keine Seltenheit – etwa einmal pro Woche werde er mit ähnlichen Beleidigungen konfrontiert.
Eine Passantin griff ein und wies Michael W. an, "die Klappe zu halten". Die Richterin betonte in ihrem Urteil diese Zivilcourage. Michael W., der die verbale Attacke zwar einräumte, eine Körperverletzung jedoch bestritt, entschuldigte sich vor Gericht mit den Worten: "Ich kann nicht erklären, was passiert ist. Aber ich möchte mich dafür entschuldigen." Er wurde wegen Beleidigung und Bedrohung verurteilt; die Strafe beläuft sich auf 1.200 Euro, zahlbar in 150 Tagessätzen.
Der Fall steht exemplarisch für eine besorgniserregende Entwicklung: Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 2.048 queerenfeindliche Hassstraftaten registriert – darunter Delikte aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität. Seit 2010 hat sich die Zahl solcher Vorfälle verzehnfacht.
Das Urteil sendet ein klares Signal: Homophobe Hetze hat Konsequenzen. Während Michael W. nun die Strafe begleichen muss, bleibt Tibor P. in einem Alltag gefangen, in dem verbale Angriffe an der Tagesordnung sind. Zugleich unterstreicht der Fall die zunehmende Gewalt gegen LGBTQ+-Personen in ganz Deutschland.






