Facharzttermine: Warum Patienten monatelang auf Hilfe warten müssen
Emma KrügerBargeld: 56 % der Versicherten warten über einen Monat auf einen Facharzttermin - Facharzttermine: Warum Patienten monatelang auf Hilfe warten müssen
Lange Wartezeiten auf Facharzttermine bleiben ein drängendes Problem im deutschen Gesundheitssystem. Ein neuer Bericht der Agentur für Arbeit (AfA) zeigt, dass mehr als die Hälfte der gesetzlich Versicherten mit Verzögerungen von über einem Monat konfrontiert ist. AfA-Vorstandsvorsitzender Jens Baas bezeichnete das Problem als "großen Schmerzpunkt" und ein Zeichen für tiefgreifendere Mängel in der ambulanten Versorgung.
Laut den AfA-Erkenntnissen warten 56 Prozent der gesetzlich Versicherten länger als einen Monat auf einen Termin beim Spezialisten. Bei 35 Prozent erstreckt sich die Wartezeit sogar über mehrere Monate. Diese Zahlen haben Forderungen nach Reformen laut werden lassen. Baas kritisierte das aktuelle System als ineffizient und ungerecht.
Die Agentur für Arbeit setzt sich für einen strukturierteren Ansatz ein. Die AfA schlägt eine standardisierte Ersteinschätzung von Gesundheitsproblemen vor, bei der einheitliche Kriterien über die Dringlichkeit entscheiden. Termine sollen dann ausschließlich nach medizinischer Notwendigkeit vergeben werden. Um den Prozess zu beschleunigen, regt die AfA zudem eine zentrale digitale Plattform für die Terminvergabe an, auf der feste Kontingente für gesetzlich Versicherte reserviert werden.
Die Bundesregierung hat bereits Signale gesendet, das Problem anzugehen. Gesundheitsministerin Nina Warken (parteilos) bereitet ein milliardenschweres Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung vor. Gleichzeitig will die Ampelkoalition ein Hausarztmodell einführen, um Patient:innenströme besser zu steuern. Die AfA begrüßt diesen Schritt und argumentiert, dass er Engpässe bei der Terminvergabe lindern könnte – vorausgesetzt, die Umsetzung gelingt.
Baas betonte die Notwendigkeit eines patientenorientierten Systems mit klaren Abläufen. Ohne fairere Verteilung und bessere Koordination, warnte er, würden lange Wartezeiten weiterhin eine rechtzeitige Behandlung erschweren.
Die Debatte über Verzögerungen bei Facharztterminen gewinnt an Fahrt. Die AfA-Vorschläge für standardisierte Einschätzungen und ein digitales Buchungssystem könnten den Zugang zur medizinischen Versorgung grundlegend verändern. Mit den geplanten Regierungsreformen zeichnen sich Veränderungen ab – doch ihr Erfolg hängt davon ab, wie gezielt sie die strukturellen Schwächen des Systems beheben.
