EU-Technologiesouveränität: Warum Open-Source-Hardware auf der Strecke bleibt
Henry SeidelEU-Technologiesouveränität: Warum Open-Source-Hardware auf der Strecke bleibt
EU-Technologiesouveränitätspaket vernachlässigt Open-Source-Hardware
Das Technologiesouveränitätspaket der Europäischen Union steht in der Kritik, weil es Open-Source-Hardware kaum berücksichtigt. Zwar werden RISC-V und Open-Source-EDA-Tools (Electronic Design Automation) erwähnt, doch Experten bemängeln, dass die Strategie zu oberflächlich bleibt. Verschärft wird die Lage durch einen eklatanten Fachkräftemangel in den Bereichen Chipdesign und EDA – allein hier fehlen über 100.000 Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt.
Besonders auffällig ist das fast vollständige Schweigen des Pakets zu Open-Source-Hardware, die lediglich als nachträglicher Gedanke behandelt wird. Dabei bietet sie entscheidende Vorteile wie Transparenz, Prüfbarkeit und Anpassungsfähigkeit – Eigenschaften, die sie mit Open-Source-Software teilt. Allerdings sind die Herausforderungen auf der physikalischen Ebene weitaus größer: Abhängigkeiten lassen sich schwerer skalieren, und die Risiken sind höher als in der Softwareentwicklung.
Zudem klammert die Strategie zentrale Bereiche wie Robotik, Edge Computing, Netzwerk-Hardware und wissenschaftliche Instrumentierung aus. Auch das Problem der Stack-Kohärenz – essenziell, um Softwaresouveränität in physische Realität umzusetzen – bleibt ungelöst. Als mögliche Lösungsansätze schlagen Experten vor, einen von der EU-Kommission unterstützten Hardware-Katalog sowie eine Art „GitHub für Hardware“ zu schaffen, um Lücken in Europas Open-Source-Bemühungen zu schließen.
Fachleute raten der Kommission, ihr Prinzip „Öffentliches Geld, öffentlicher Code“ auch auf Hardware auszuweiten. Dies könnte Ressourcenverschwendung verringern und alternative kommerzielle Optionen fördern. Sie betonen zudem, dass die europäische Strategie noch nicht in Stein gemeißelt ist und Open-Source-Hardware künftig stärker einbeziehen könnte.
Die aktuelle Ausrichtung spiegle weder das Ausmaß des Fachkräftemangels wider noch das Potenzial von Open-Source-Hardware. Ohne einen inklusiveren Ansatz drohen wichtige Chancen in puncto Transparenz, Anpassungsfähigkeit und technologischer Unabhängigkeit vertan zu werden. Werden diese Lücken geschlossen, könnte Europa seine Position in kritischen Hardware-Sektoren deutlich stärken.






