26 February 2026, 06:04

Deutschlands China-Handel erreicht Rekorddefizit – 89,3 Milliarden Euro im Visier

Eine Liniengrafik mit der Überschrift "U.S. Trade in Goods with China", die die Ein- und Ausfuhren über die Zeit zeigt, mit Jahren auf der x-Achse und Handelsmengen auf der y-Achse, unterteilt in Abschnitte verschiedener Farben.

Deutschlands China-Handel erreicht Rekorddefizit – 89,3 Milliarden Euro im Visier

Deutschlands Handelsbeziehungen zu China sind in den letzten Jahren komplexer geworden. Zwar bleibt China der wichtigste Handelspartner des Landes, doch ein wachsendes Defizit und sich verschärfender globaler Wettbewerb zwingen zu einem Umdenken. 2025 erreichte das Ungleichgewicht mit rekordhohen 89,3 Milliarden Euro einen neuen Höchststand – ein deutlicher Anstieg gegenüber 66,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

Für beide Seiten geht es um viel. Deutsche Unternehmen sind nach wie vor auf China als zentralen Produktionsstandort und Absatzmarkt angewiesen, doch Pekings Aufstieg in Schlüsselsektoren wie Elektrofahrzeugen und Solartechnik stellt zunehmend eine direkte Konkurrenz dar. Gleichzeitig bleiben Europas wirtschaftliche Verflechtungen mit China tief: Die EU zählt das Land nach wie vor zu ihrem wichtigsten Exportziel.

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Seit 2015, als China Deutschland als größten Lieferanten überholte, haben sich die Wirtschaftsbeziehungen weiter vertieft. Die Zusammenarbeit in der Technologiebranche – insbesondere bei Automobil-Verbundwerkstoffen – wurde ausgebaut: Deutsche Firmen setzen auf hochwertige Materialien, während chinesische Hersteller ihre EV-Produktion und lokale Beschaffung ausweiten. Doch diese Kooperation hat das Handelsdefizit nicht verringert – im Gegenteil, es weitete sich vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und Lieferkettenrisiken weiter aus.

Neue EU-Zölle auf kleine chinesische Importe, die im Juli 2025 eingeführt wurden, belasten die Beziehungen zusätzlich. Dennoch investieren deutsche Unternehmen weiterhin massiv in China: Allein im vergangenen Jahr flossen rund 7 Milliarden Euro in den Markt – mehr als in den beiden Vorjahren zusammen. Der Hamburger Hafen, seit langem ein zentraler Handelsdrehkreuz, verzeichnet noch immer, dass jeder dritte Container aus China kommt – eine Partnerschaft, die bis ins Jahr 1982 zurückreicht.

In Deutschland prallen derzeit zwei gegensätzliche Positionen aufeinander: Die einen fordern eine härtere Gangart gegenüber Peking, die anderen plädieren für pragmatische Handelsbeziehungen. Die Weichenstellung wird nicht nur die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands prägen, sondern auch seine Rolle in einer zunehmend multipolaren Welt.

Chinas Doppelfunktion als entscheidender Partner und aufstrebender Konkurrent erschwert die Entscheidungsfindung. Deutsche Industriegiganten sind nach wie vor auf chinesische Fabriken und Verbraucher angewiesen, doch Pekings wachsende Dominanz in grüner Technologie und Fertigung stellt Europas eigene Industrien vor Herausforderungen. Zwar gehen über 60 Prozent der deutschen Exporte nach wie vor in europäische Länder, doch für Schlüsselsektoren wie Automobilbau und Maschinenbau bleibt die China-Beziehung von zentraler Bedeutung.

Deutschlands langfristige Position hängt davon ab, wie es den Spagat zwischen wirtschaftlichen Bindungen zu China und neuen Wettbewerbsdruck meistert. Das Rekordhandelsdefizit und Chinas industrieller Aufstieg erfordern eine sorgfältig abgewogene Strategie. Angesichts der weiterhin starken EU-China-Interdependenz werden politische Kursänderungen weitreichende Folgen für Handel, Technologie und globalen Einfluss haben.