05 June 2026, 19:26

Deutscher Filmpreis 2024: Wenders löst Debatte über Ethik und AfD-Kritik aus

Deutscher Filmpreis: Und dann spricht Wim Wenders

Deutscher Filmpreis 2024: Wenders löst Debatte über Ethik und AfD-Kritik aus

Die Verleihung des Deutschen Filmpreises bot emotionale Reden und hitzige Debatten über Filmethik und Politik. Regisseur Wim Wenders nutzte die Entgegennahme seines Ehrenpreises, um eine umstrittene Szene aus seinem Film „Falsche Bewegung“ von 1975 zu thematisieren – mit der damals erst 13-jährigen Nastassja Kinski. Gleichzeitig feierte die Gala auch neuen Nachwuchs: „Die Mittagsfrau“ räumte mit den wichtigsten Auszeichnungen ab.

Wenders betrat die Bühne, um den Ehrenpreis entgegenzunehmen, lenkte die Aufmerksamkeit jedoch schnell auf einen brisanten Moment seiner Karriere. Offen sprach er über die besagte Szene in „Falsche Bewegung“ und gestand, er würde sie heute nicht mehr so drehen. Da Kinski zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 13 Jahre alt war, wirft dies ethische Fragen zu historischen Werken auf. Wenders stellte die provokante Frage: Darf man einen Film im Nachhinein verändern? Er warnte davor, dass eine nachträgliche Bearbeitung der Szene einen Präzedenzfall schaffen könnte, der auch andere Filme betreffen würde. Seine Worte lösten eine Forderung nach einer breiteren Debatte innerhalb der Deutschen Filmakademie aus.

Doch die Veranstaltung war auch von politischen Themen geprägt. Sowohl Akademiepräsident Florian Gallenberger als auch Moderator Christian Friedel äußerten sich besorgt über den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD. Ihre Statements verleihen den Abendsdiskussionen eine zusätzliche Dringlichkeit.

Trotz der kontroversen Themen wurden die Preise an die herausragenden Filme des Jahres vergeben. „Die Mittagsfrau“ dominierte die Verleihung und gewann die Goldene Lola für den besten Spielfilm sowie zehn weitere Auszeichnungen, darunter den Regiepreis für Mascha Schilinski. Senta Berger wurde als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in „Ach, diese Lücken, diese schrecklichen Lücken“ geehrt – einem Film unter der Regie ihres Sohnes Simon Verhoeven. Lena Urzendowsky, ausgezeichnet als beste Nebendarstellerin, rief die Branche zu mehr Empathie und Solidarität auf.

Ingo Fliess, Produzent des prämierten Films „Gelbe Briefe“, nutzte die Gelegenheit, um Deutschland als Lebens- und Arbeitsort zu loben. Gleichzeitig kritisierte er die jüngsten Kontroversen um den Preis der Deutschen Buchhandlung, was die selbstreflektierende Stimmung des Abends unterstrich.

Die Deutschen Filmpreise hinterließen die Branche mit einer Mischung aus Jubel und Herausforderungen. Wenders’ Aufruf zum Dialog über die Nachbearbeitung historischer Filme setzt die Akademie nun unter Zugzwang. Gleichzeitig setzen der Erfolg von „Die Mittagsfrau“ und der anderen Gewinnerfilme die Messlatte für die Konkurrenten des nächsten Jahres hoch.

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