Chemieindustrie 2026: ADNOC übernimmt Covestro – doch die Krise bleibt
Moritz HartmannChemieindustrie 2026: ADNOC übernimmt Covestro – doch die Krise bleibt
Deutschlands Chemieindustrie steht 2026 vor tiefgreifenden Umbrüchen
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC nähert sich dem Abschluss, während ein neuer Tarifvertrag die Beschäftigten in einer schwierigen Phase stützen soll. Branchenvertreter warnen vor massiven Herausforderungen – mit Werksschließungen und Stellenabbau noch in diesem Jahr.
Am 20. März reichte ADNOC ein Squeeze-out-Angebot für Covestro ein, das den letzten Schritt der Übernahme markiert. Der Deal bewertet das Unternehmen mit 59,46 Euro pro Aktie – knapp unter dem aktuellen Börsenkurs von 59,54 Euro. Seit ADNOC die Transaktion Ende 2025 abschloss, sank Covestros Marktwert von 14,7 auf rund 12,4 Milliarden Euro. Grund sind enttäuschende Zahlen für 2025, darunter ein EBITDA-Rückgang um 31 Prozent auf 740 Millionen Euro und ein negativer Cashflow. Nachdem ADNOCs Tochtergesellschaft XRG über 95 Prozent der Anteile sicherte, wurde Covestro von der Börse genommen.
Parallel haben ADNOC und OMV die Firmen Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur Borouge Group International (BGI) fusioniert. Der Zusammenschluss, der Ende März 2026 finalisiert werden soll, schafft den viertgrößten Kunststoffhersteller der Welt – mit Covestro als Teil des neuen Konzerns. Roger Kearns übernimmt als CEO die Führung, während Stefan Doboczky als Vertriebsvorstand (Chief Commercial Officer) fungiert.
Doch die Probleme der Branche gehen über Fusionen hinaus. BASF-Chef Markus Kamieth sprach von der "schwierigsten Phase seit 25 Jahren" und verwies auf hohe Energiekosten sowie globalen Wettbewerbsdruck. Die jüngsten Werksschließungen von Dow in Ostdeutschland unterstreichen diese strukturellen Herausforderungen. Das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 weitere Produktionskürzungen und Stellenstreichungen.
Als Reaktion einigten sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Arbeitgeberverband BAVC auf eine Lohnerhöhung: 2,1 Prozent ab 2027 und zusätzlich 2,4 Prozent im Jahr 2028.
Die Chemieindustrie durchlebt eine Welle der Konsolidierung und Kostendrucks. ADNOCs Übernahme von Covestro und die Gründung von BGI verändern die Branchenlandschaft grundlegend. Angesichts drohender Produktionskürzungen und steigender Löhne stehen die Unternehmen vor der schwierigen Aufgabe, Umstrukturierungen voranzutreiben und gleichzeitig ihre Belegschaften zu halten.






