Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie Sachsen-Anhalts Ehrenamtliche Senioren im Alltag entlasten
Ein wachsendes Netzwerk von Ehrenamtlichen in Sachsen-Anhalt unterstützt ältere und pflegebedürftige Bürger im Alltag
Unter dem Namen Nachbarschaftshilfen engagieren sich freiwillige Helferinnen und Helfer in Sachsen-Anhalt, um Senioren und Menschen mit Pflegebedarf bei Einkäufen, Haushaltsaufgaben oder als Gesprächspartner zur Seite zu stehen. Die 2023 gestartete Initiative hat bereits über 4.000 Freiwillige geschult – doch viele Berechtigte zögern noch, das Angebot anzunehmen.
Eine dieser Ehrenamtlichen ist Kerstin Kränzel, 60 Jahre alt und Rentnerin. Jede Woche begleitet sie eine ältere Dame beim Einkaufen. Für sie ist ihre Tätigkeit mehr als nur praktische Hilfe: Es geht darum, den engen Gemeinschaftssinn wiederzubeleben, der einst in der DDR selbstverständlich war.
Das Programm verzeichnet seit seinem Start 2023 einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Nutzten im ersten Jahr nur 299 Menschen den Service, waren es 2024 bereits 1.814. Dennoch bleibt die Inanspruchnahme im Vergleich zur Berechtigtenzahl gering. Allein im vergangenen Jahr hätten in Sachsen-Anhalt über 103.000 Versicherte Anspruch auf eine monatliche Entlastungspauschale von bis zu 131 Euro gehabt – doch weniger als 57 Prozent machten davon Gebrauch.
Viele scheuen den Antrag aus Scham: Manche schämen sich, einen Pflegegrad anzuerkennen, andere lehnen Hilfe grundsätzlich ab. Das Projekt will dies ändern, indem es Unterstützung durch geschulte Freiwillige normalisiert.
Die Schulungen für neue Helfer laufen kontinuierlich weiter – für 2025 sind 97 Termine geplant. 70 Prozent der Ehrenamtlichen sind Frauen, meist Rentnerinnen oder kurz vor dem Ruhestand. Die Initiative soll mindestens bis Ende dieses Jahres weiter ausgebaut werden.
Ähnliche Modelle gibt es auch in anderen Bundesländern. Brandenburg hat die Nachbarschaftshilfen im Januar 2026 offiziell anerkannt, Rheinland-Pfalz fördert lokale Projekte in Städten wie Speyer und Ludwigshafen. Hessen unterstützt kleinere Initiativen, etwa in Geisenheim. Eine bundesweite Statistik, wie viele aktive Helfer es deutschlandweit gibt, existiert jedoch nicht.
In Sachsen-Anhalt hat das Programm bereits Tausende Freiwillige ausgebildet und eine versechsfachte Nutzerzahl verzeichnet. Dennoch bleiben Hürden: Weniger als 60 Prozent der Berechtigten nehmen die Hilfe in Anspruch. Mit dem weiteren Ausbau hoffen die Verantwortlichen, Vorbehalte abzubauen – und mehr Menschen zu ermutigen, sich einzubringen, sei es als Helfer oder als Hilfesuchende.