02 May 2026, 08:01

Wie Berlins Segelgeschichte die sozialen Gräben der Stadt widerspiegelte

Schwarzes und weißes Foto von Segelbooten auf dem Wasser mit Hügeln im Hintergrund und einem klaren Himmel, als Foto des New York Yacht Club bezeichnet.

Wie Berlins Segelgeschichte die sozialen Gräben der Stadt widerspiegelte

Segeln in Berlin spiegelte stets die sozialen Gräben der Stadt wider. Schon im 19. Jahrhundert teilte sich der Sport in bürgerliche Vereine und Arbeiterenthusiasten. Selbst die Gründung von Clubs und die Aufnahme von Mitgliedern wurden von Klassenkonflikten geprägt.

Die Geschichte begann 1837, als Karl Marx die Berliner Tavernengesellschaft besuchte – den ersten Verein, der sich dem Freizeitsegeln in der Stadt widmete. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der westliche Teil Berlins zum Zentrum für wohlhabende Wassersportbegeisterte. Diese Clubs setzten eine „Amateurklausel“ durch, die Berufssportler und Arbeitersegeln bis 1918 ausschloss.

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Unterdessen gründeten Arbeiter im östlichen Berlin eigene Segelvereine, um das „volkstümliche Kleinbootsegeln“ als bezahlbare Alternative zu Rudern und Yachten zu fördern. 1891 entstand der Verein Berliner Segler (VBS), dessen Mitglieder fast ausschließlich aus Handwerkern und Arbeitern bestanden. Noch im selben Jahr richtete Berlin im Juni 1868 seine erste Segelregatta aus – ein Zeichen für den wachsenden Zuspruch des Sports.

Die Kluf vertiefte sich, als 1888 der Deutsche Segler-Verband (DSV) gegründet wurde. Der DSV weigerte sich, den VBS aufzunehmen, es sei denn, dessen Arbeitermitglieder traten aus. Diese Ausgrenzung zementierte die Trennung zwischen bürgerlichen „Herrenathleten“ und jenen, die mit bescheidenen Mitteln segelten.

Jahrzehntelang blieb das Berliner Segeln von Klassengegensätzen geprägt. Die Regeln des DSV hielten Arbeitersegeln bis nach dem Ersten Weltkrieg von offiziellen Wettbewerben fern. Erst danach begann der Sport, sich zu öffnen – und die strikte Trennung zwischen Elite- und Volkssport zu überwinden.

Quelle