Weimers Streichung von Buchhandlungen löst Debatte um politischen Einfluss auf Kulturpreise aus
Lina Fuchs"Spiegel": Weimer lässt Listen mit Kultur-Jurymitgliedern erstellen - Weimers Streichung von Buchhandlungen löst Debatte um politischen Einfluss auf Kulturpreise aus
Kulturminister Weimer löst mit Streichung von Buchhandlungen von der Shortlist für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 Kontroverse aus
Bundes kulturminister Wolfram Weimer hat mit der Streichung von drei Buchhandlungen von der engen Auswahl für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 für Aufsehen gesorgt. Die Entscheidung traf er nach einer Überprüfung der Jury-Entscheidungen – unter Einbeziehung von Hinweisen der Innen sicherheitsbehörden. Die betroffenen Buchhandlungen haben inzwischen rechtliche Schritte gegen den Minister eingeleitet.
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen nach politischem Einfluss auf Kulturpreise auf. Weimers Ministerium geriet zusätzlich in die Kritik, nachdem es fälschlich behauptet hatte, die Jury selbst habe die Buchhandlungen als unwürdig für eine Auszeichnung eingestuft.
Auslöser des Streits war Weimers Entscheidung, die von der Jury vorgeschlagene Shortlist für den Deutschen Buchhandlungspreis zu überstimmen. Als Begründung führte er nicht näher bezeichnete Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden an, die gegen die drei Buchhandlungen sprachen. Daraufhin reichten die betroffenen Betriebe Klagen gegen den Minister ein.
Zuvor hatte Weimers Ministerium irrtümlich erklärt, die Jury habe die Buchhandlungen selbst für ungeeignet befunden – eine Aussage, die später zurückgenommen wurde und die Verwirrung um die Entscheidung weiter verstärkte.
Die siebenköpfige Jury setzte sich aus Vertretern der Verlage Wagenbach, Aufbau und Palomaa sowie einer Literaturkritikerin, einer Journalistin und einer Vertriebsleiterin zusammen. Ein Jurymitglied war bereits aus persönlichen Gründen zurückgetreten, bevor die Kontroverse eskalierte.
Weimer hat inzwischen die Erstellung von Listen angeordnet, in denen alle Jurymitglieder aufgeführt werden, die an Förderentscheidungen im Kulturbereich beteiligt sind. Diese Forderung nährt die Befürchtung, der Minister könnte künftig noch stärker in Preisvergaben eingreifen und so die Unabhängigkeit solcher Auswahlverfahren aushöhlen.
Die rechtlichen Auseinandersetzungen der ausgeschlossen Buchhandlungen werden die Grenzen ministerieller Befugnisse bei Kulturpreisen auf die Probe stellen. Weimers Anforderung nach Jurylisten deutet auf eine mögliche künftige Kontrolle ähnlicher Prozesse hin. Das Ergebnis dieser Konflikte könnte prägedend dafür werden, wie Kulturpreise in Deutschland künftig vergeben werden.






