UniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – Finanzbranche steht Kopf
Moritz HartmannUniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – Finanzbranche steht Kopf
UniCredit startet 35-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Commerzbank – Schockwelle in der deutschen Finanzbranche
Die UniCredit hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 35 Milliarden Euro für die Commerzbank vorgelegt und damit die deutsche Finanzwelt aufgeschreckt. Der Schritt folgt monatelangen Spekulationen, nachdem die italienische Großbank im September 2024 erstmals einen Anteil von 9 Prozent an ihrem Konkurrenten offenlegt hatte. Die Aktie der Commerzbank schnellte nach der Bekanntgabe um fast 10 Prozent nach oben und belebte trotz anhaltender Investorenskepsis die allgemeine Marktstimmung.
Das formelle Übernahmeangebot, das voraussichtlich im Mai eingereicht wird, sieht einen Aktientausch vor: 0,485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie – was einem Wert von 30,80 Euro pro Anteil entspricht. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines Kursanstiegs der Commerzbank-Aktie um rund 90 Prozent seit der ersten Bekanntgabe der UniCredit-Beteiligung, während die eigene Aktie der Italiener im gleichen Zeitraum "nur" etwa 40 Prozent zulegte. Analysten werten das Gebot als strategischen Zug des UniCredit-Chefs Andrea Orcel, um Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch zu zwingen.
Die Märkte reagierten prompt: Der Kursaufschwung der Commerzbank trieb den DAX nach oben, auch wenn der Index weiterhin etwa 4,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt notiert. Anleger beobachten nun die Marke von 22.900 Punkten als entscheidenden Indikator für die kurzfristige Entwicklung. Gleichzeitig gerieten zyklische Werte und Reiseaktien unter Druck, bedingt durch steigende Ölpreise, während Bayer und Siemens Energy dank positiver Studiendaten und Branchenimpulsen zulegten.
Widerstand gegen die geplante Übernahme formiert sich bereits. Sowohl die Bundesregierung als auch der Betriebsrat der Commerzbank äußerten scharfe Kritik, während die Gewerkschaft Verdi vor möglichen Arbeitsplatzverlusten warnte. Die Marktkapitalisierung der Commerzbank pendelte in der jüngsten Volatilität zwischen 33 und 39 Milliarden Euro, während vergleichbare Daten zur Deutschen Bank oder Allianz bisher nicht vorliegen.
Das Übernahmeangebot ebnet den Weg für eine hochbrisante Konfrontation zwischen UniCredit und der Commerzbank-Führung. Mit der für Mai erwarteten offiziellen Offerte werden Marktbeobachter die Reaktionen der Aufsichtsbehörden, der Aktionäre und die Entwicklung des DAX genau verfolgen. Das Ergebnis könnte die deutsche Bankenlandschaft neu ordnen – je nachdem, ob das Vorhaben an Fahrt gewinnt oder auf weiteren Widerstand stößt.