Tunnelbau-Pionier Herrenknecht warnt: "Deutschland steuert gegen die Wand"
Henry SeidelTunnelbau-Pionier Herrenknecht warnt: "Deutschland steuert gegen die Wand"
Martin Herrenknecht, Chef des weltweit führenden Tunnelbohrunternehmens Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft. Übermäßige Bürokratie und ein Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen lähmten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Weltmarkt, so der Vorwurf. Seine Kritik kommt zu einer Zeit, in der große Infrastrukturprojekte hierzulande jahrelange Verzögerungen erleben, während vergleichbare Vorhaben im Ausland zügig vorankommen.
Das in Schwanau im Ortenaukreis ansässige Unternehmen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter und dominiert den Markt für Tunnelvortriebsmaschinen. Herrenknecht war maßgeblich an prestigeträchtigen europäischen Projekten beteiligt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und der Ausbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes im Rahmen von Stuttgart 21. Doch selbst mit diesen Erfolgen sieht der Unternehmenschef die regulatorischen Hürden in Deutschland mittlerweile als unüberwindbar an.
Ein geplanter Logistikstandort in Baden-Württemberg steckt seit dreieinhalb Jahren in der Planungsphase fest. Ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, erhielt dagegen bereits nach drei Monaten die Genehmigung. Herrenknecht betont, dass er unter den heutigen Bedingungen sein eigenes Unternehmen kaum noch gründen könnte – die bürokratischen Auflagen seien schlicht zu groß.
Seine Frustration geht jedoch über die Bürokratie hinaus. Deutschland bezeichnet er als eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“, die in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen sei. Ohne dringende Reformen steuere das Land „direkt gegen die Wand“, warnt er.
Herrenknechts Äußerungen unterstreichen die wachsende Kluft zwischen Deutschlands ehrgeizigen Infrastrukturzielen und der Realität des regulatorischen Umfelds. Während Verzögerungen anhalten und internationale Konkurrenten schneller handeln, wächst der Druck auf tiefgreifende Systemveränderungen. Die Warnungen des Vorstandsvorsitzenden spiegeln dabei eine breitere Sorge um die wirtschaftliche und administrative Zukunft des Landes wider.






