RAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – wer gewinnt den Machtkampf?
Moritz HartmannRAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – wer gewinnt den Machtkampf?
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel. Das beliebte Areal, bekannt für seine Clubs, Bars und kulturellen Veranstaltungsorte, ist zum Zankapfel zwischen dem privaten Eigentümer, dem Senat und dem örtlichen Bezirk geworden. Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, wie viele neue Wohnungen gebaut werden sollen – und wie viele der historischen Hallen erhalten bleiben.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst ein Instandhaltungswerk der Reichsbahn, entwickelte es sich nach dem Fall der Berliner Mauer zu einem kulturellen Zentrum. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lager mit restaurierten Möbeln sowie saisonale Märkte.
Die Kurth Group, die private Eigentümerin des Geländes, wirft der Berliner Stadtregierung vor, frühere Absprachen gebrochen zu haben. Das Unternehmen drängt nun auf eine beschleunigte Baugenehmigung für neue Wohnungen. Senat und Bezirksamt für Stadtentwicklung hingegen werfen dem Eigentümer vor, die Clubs und die vielfältige Kulturszene des Viertels zu gefährden.
Die Spannungen spitzen sich zu. Dutzende Demonstranten versammelten sich am Kurfürstendamm mit Livemusik und Reden unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, haben bereits Räumungsklagen erhalten – der Club könnte bereits nächste Woche zwangsgeräumt werden. Benjamin Kiepurning, Mitarbeiter des Cassiopeia, hat eine Petition gestartet, um den Druck auf den Senat zu erhöhen. Diese soll am kommenden Freitag überreicht werden.
Der Konflikt dreht sich um die Abwägung zwischen dringend benötigtem Wohnraum und dem Erhalt der historischen Hallen. Die Entscheidung wird darüber bestimmen, ob die Clubs und Kulturstätten auf dem RAW-Gelände bleiben können. Die Räumungsklagen sind bereits verschickt, die Petition soll die Senatsentscheidung noch beeinflussen.
