Opernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle-Marketing auf Instagram
Henry SeidelOpernhäuser tauschen Hochkultur gegen Lifestyle-Marketing auf Instagram
Europas große Opernhäuser ändern ihren Auftritt in den sozialen Medien
Statt sich auf die Kunst zu konzentrieren, vermarkten viele Opernhäuser ihr Angebot zunehmend als Lifestyle-Erlebnis. Auf Instagram dominieren Drinks, Mode und leichte Unterhaltung – Musik und Reflexion rücken in den Hintergrund.
Die Wiener Staatsoper setzt in ihren Beiträgen auf die Moderatoren Hemma und Jakob, die das Haus wie einen Spielplatz oder ein Restaurant inszenieren. Sie geben Tipps, wie man sich am besten am Pausenbuffet bedient, und erklären grundlegende Opernknigge-Regeln.
An der Staatsoper Berlin steht die Werbung für Sponsoren im Vordergrund. Der Intendant bedankt sich wiederholt bei BMW für die Unterstützung – kommerzielle Verbindungen scheinen hier wichtiger als künstlerische Inhalte.
Die Bayerische Staatsoper geht einen anderen Weg: Ihr Instagram-Kanal zeigt Gespräche zwischen Künstlern und Dirigenten und bleibt damit der Musik selbst treu.
Die Festspielhaus Baden-Baden vermischt klassische Musik mit lockerer Werbung. Moderatoren versuchen etwas unbeholfen, Konzerte mit „Klassik und Spritz“ als trendig zu verkaufen. Junge Influencer reduzieren die Oper weiter auf ein Konsumgut – im Fokus stehen Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“ statt der Aufführungen.
Immer mehr Opernhäuser stilisieren ihre Kunst zu einem Wohlfühlprodukt. Der Schwerpunkt verschiebt sich von Reflexion und Debatte hin zu Konsum und Unterhaltung. Was einst eine provokative Kunstform war, wird so zum Spektakel – zentriert um Lifestyle und Ablenkung.
