Nurejew-Ballett feiert in Berlin triumphale Rückkehr nach russischem Verbot
Lina FuchsNurejew-Ballett feiert in Berlin triumphale Rückkehr nach russischem Verbot
Ein umstrittenes Ballett über Rudolf Nurejew, inszeniert von Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograf Juri Possochow, erlebt in Berlin eine Renaissance. Die Produktion, die 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt wurde, fiel später in Russland einem Aufführungsverbot zum Opfer – wegen der Darstellung von Homosexualität. Nun ist die Premiere 2026 an der Deutschen Oper bereits ausverkauft, ein Zeichen für das große internationale Interesse.
Das Ballett Nurejew zeichnet den außergewöhnlichen Lebensweg des Tänzers nach – von seiner Geburt 1938 als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern an der Transsibirischen Eisenbahn bis zu seinem Tod 1993 in Paris. Es thematisiert seine Ausbildung bei Alexander Puschkin, seine spektakuläre Flucht nach Frankreich und den lebenslangen Konflikt zwischen seiner Liebe zu Russland und dem Drang nach künstlerischer Freiheit. Das Bühnenbild, ebenfalls von Serebrennikow gestaltet, taucht das Publikum ein in Nurejews Welt: mit männlichen Akten alter Meister, Sofas von Maria Callas und sogar einer Rekonstruktion seiner italienischen Insel.
Die Uraufführung 2017 am Bolschoi-Theater war von Skandalen überschattet. Serebrennikow, der Regie führte, das Libretto schrieb und die Bühnenbilder entwarf, stand unter Hausarrest wegen Betrugsvorwürfen und konnte nicht anwesend sein. Dennoch fand die Premiere statt – bis das Stück 2023 aufgrund der russischen Gesetze gegen "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" verboten wurde. Das Verbot machte das Werk zu einem Symbol des künstlerischen Widerstands und steigerte seine internationale Strahlkraft.
Der in Luhansk geborene Choreograf Juri Possochow, heute US-Staatsbürger, bleibt trotz des Ukraine-Kriegs im Repertoire des Bolschoi präsent. Seine Zusammenarbeit mit Serebrennikow brachte ein visuell beeindruckendes Ballett hervor, auch wenn Kritiker bemängeln, dass der zweite Akt nicht an die Intensität des ersten anknüpft. Dennoch begeistern die kraftvollen Soli und die großen Ensembleszenen das Publikum nach wie vor.
Die Berliner Wiederbelebung durch das Staatsballett Berlin ist die erste Nicht-Russland-Produktion des Stücks. Sie folgt der Versteigerung von Nurejews Nachlass 1995 und einer Hommage desselben Ensembles im selben Jahr – beide Meilensteine in der Bewahrung seines Erbes.
Die Berliner Premiere 2026 wird zu einem kulturellen Ereignis, geprägt von Zensur und Exil. Serebrennikows Verurteilung und seine erzwungene Abreise aus Russland 2022 festigten den Ruf des Balletts als aufrührerisches Werk. Mit ausverkauften Vorstellungen unterstreicht die Produktion die anhaltende Faszination für Nurejews Leben und das weltweite Verlangen nach unzensierter künstlerischer Entfaltung.






