Milo Rau inszeniert einen spektakulären "Prozess gegen Deutschland" in Hamburg
Emma KrügerRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert einen spektakulären "Prozess gegen Deutschland" in Hamburg
Die Hamburger Lessing-Tage enden in diesem Jahr mit einem gewagten und umstrittenen Höhepunkt: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Scheinverfahren unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland". Im Mittelpunkt der Verhandlung steht die Frage, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte – geleitet von echten Juristen und Rechtsexperten.
Die Lessing-Tage, 2010 von Joachim Lux gegründet, sind seit Langem eine Plattform für politisches Theater. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Das Festival hat sich einen Namen mit provokanten Produktionen gemacht, doch Raus Projekt bildet einen besonders prominenten Abschluss.
Rau ist bekannt dafür, Realität und Theater in politisch brisanten Inszenierungen zu verschmelzen. Zu seinen früheren Arbeiten zählen "Hassrede" (2018), in dem reale Hasskriminalprozesse mit Opfern und Tätern nachgestellt wurden, sowie "Das Kongo-Tribunal" (2015), ein Bürgergericht, das sich mit Gräueltaten in der Demokratischen Republik Kongo auseinandersetzte. Ein weiteres bemerkenswertes Stück war "Othello" (2017), in dem Schauspieler of Color die Hauptrollen übernahmen, um Rassismus im klassischen Theater zu thematisieren. Diese Projekte wurden an renommierten Häusern wie dem Avignon Festival, dem Berliner Theatertreffen und der Schaubühne Berlin gezeigt.
Beim "Prozess gegen Deutschland" handelt es sich um eine simulierte Gerichtsverhandlung, bei der die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin den Vorsitz führt. Die Veranstaltung wird nicht nur im Theater stattfinden, sondern auch live auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Juristische Fachleute begleiten das Verfahren, das eine reale Debatte über die Zukunft der AfD nachahmt.
Das Scheinverfahren verbindet Theater, Recht und Politik in einem öffentlichen Forum und folgt damit Raus Tradition, drängende gesellschaftliche Fragen performativ aufzugreifen. Das Publikum in Hamburg und im Livestream erlebt so eine inszenierte, aber ernsthafte Auseinandersetzung mit der politischen Landschaft Deutschlands.
Der 'Prozess gegen Deutschland' endet mit umstrittenem Urteil und hitzigen Reaktionen
Der simulierte Prozess, der sich damit befasste, ob Deutschland die AfD verbieten sollte, endete nach 15 Stunden Verhandlung. Wichtige Entwicklungen waren:
- Die Jury beriet im Geheimen darüber, ob die rechtlichen Voraussetzungen für ein Verbot erfüllt waren, ohne dass ein offizielles Urteil öffentlich bekannt gegeben wurde.
- Prominente Teilnehmer waren der Kultur-Senator von Hamburg, Carsten Brosda, und die ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry.
- Die Anklage berief sich auf Nazi-Rhetorik, um für ein Verbot zu argumentieren, während die Verteidigung die Beweise als 'verstreut' angriff.
- Die öffentlichen Reaktionen waren gespalten: Rechtsextreme Unterstützer lobten das Ereignis, während Kritiker auf der Linken seine Format als provokativ verurteilten.