Hamburgs Fünf-Minuten-Takt droht am Realitätscheck zu scheitern
Hamburgs ehrgeiziger Plan für ein Fünf-Minuten-Takt-Netz bis 2030 stockt massiv
Der ambitionierte Vorstoß Hamburgs, sicherzustellen, dass keine Einwohnerin und kein Einwohner länger als fünf Minuten auf öffentliche Verkehrsmittel warten muss, hat erhebliche Verzögerungen erlitten. Der ADAC, Deutschlands größter Automobilclub, erklärt die Initiative „Hamburg-Takt“ in ihrer aktuellen Form für undurchführbar. Kritiker werfen der Stadt vor, dass die Mittel für das 49-Euro-Ticket besser in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur geflossen wären.
Ursprünglich sollte der „Hamburg-Takt“ ein nahtloses Nahverkehrsnetz schaffen, in dem Busse, Bahnen und Shuttles im Fünf-Minuten-Takt verkehren. Doch laut ADAC sind von den geplanten 52 Ausbaumaßnahmen bisher nur drei umgesetzt worden. Zudem wurde die Zahl der einst als zentraler Baustein vorgesehenen autonomen Shuttle-Fahrzeuge drastisch reduziert – von ursprünglich 10.000 auf eine deutlich geringere Stückzahl.
Ole Thorben Buschhüter, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, räumte ein, dass die Pandemie den Fortschritt gebremst und die Fahrgastzahlen einbrechen ließ. Dennoch betont die SPD-Fraktion, man stehe weiterhin hinter dem Projekt. Christopher Harms von der Senatskanzlei argumentierte, der „Hamburg-Takt“ gehe über das reine Fünf-Minuten-Ziel hinaus und werde weiterverfolgt.
Ein Sprecher von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bekräftigte, die Initiative bleibe ein zentraler Pfeiler der Hamburger Verkehrsstrategie. Der ADAC jedoch warnt, dass technologischer Optimismus allein keine solide Verkehrsplanung ersetzen könne. Zudem hätte man die für das 49-Euro-Ticket umgelenkten Finanzmittel sinnvoller in die Modernisierung der Infrastruktur investieren können.
Die Zukunft des „Hamburg-Takts“ ist nun ungewiss: Wichtige Ziele wurden zurückgestuft, die Finanzierung steht auf dem Prüfstand. Während die Stadtführung betont, das Projekt sei weiterhin aktiv, deutet die ADAC-Bewertung auf notwendige grundlegende Anpassungen hin. Der Rückschlag wirft die Frage auf, wie Hamburg seine langfristigen Ziele im öffentlichen Nahverkehr noch erreichen will.






