Gedenkfeier in Halle eskaliert nach Auftauchen russischer Flaggen und politischer Konflikte
Henry SeidelGedenkfeier in Halle eskaliert nach Auftauchen russischer Flaggen und politischer Konflikte
Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) eskaliert nach Auftauchen russischer Flaggen
Die feierliche Veranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) nahm eine angespannte Wendung, als eine Gruppe mit russischen Flaggen erschien. Die alljährliche Gedenkfeier auf dem Südfriedhof der Stadt ehrt deutsche Widerstandskämpfer:innen und sowjetische Bürger:innen, die dort ihre letzte Ruhe fanden. Doch in diesem Jahr wurde die Erinnerungskultur zum Streitpunkt – es ging um politische Symbole und Vorwürfe wegen Verbindungen zur extremen Rechten.
Das Gedenkrund auf dem Südfriedhof bleibt die bedeutendste Stätte der Region, die an die Rolle der Sowjetunion im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland erinnert. Unter den 977 dort bestatteten Sowjetbürger:innen befinden sich jedoch keine Soldaten, die 1945 Halle befreit haben. Zu den Teilnehmenden zählte auch die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Judith Marquardt, die im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt einen offiziellen Kranz niederlegte.
Die Störung kam, als Mitglieder der „Halle-Bewegung“ mit russischen Flaggen und Symbolen auftauchten. Die Veranstalter:innen warfen der Gruppe vor, die rechtspopulistische AfD zu unterstützen sowie Russlands Krieg gegen die Ukraine zu billigen. Lukas Wanke vom VVN-BdA betonte später, der Kampf gegen Faschismus sei noch lange nicht vorbei – zugleich warnte er davor, das Vermächtnis der Roten Armee so zu verklären, dass heutige Ungerechtigkeiten darüber in Vergessenheit gerieten.
Eric Stehr von der Linken kritisierte jede Form der Nähe zu Regimen, die für Terror und Zerstörung verantwortlich seien. Der Vorfall offenbarten tiefe Gräben: Wie lässt sich historische Erinnerung bewahren, ohne aktuelle politische Konflikte zu ignorieren?
Die Gedenkveranstaltung endete mit scharfen Wortgefechten über die Bedeutung des Erinnerns. Vertreter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft betonten, es gelte, zwischen der historischen Befreiungstat und modernen politischen Strömungen zu unterscheiden. Die Organisator:innen machten deutlich: Die Ideale des Widerstands sind heute so relevant wie damals – doch sie dürfen nicht als Rechtfertigung für heutige Kriege instrumentalisiert werden.






