12 June 2026, 18:00

Fußballpatriotismus: Warum Deutschland mit Nationalstolz hadert

Lieber 'Party-Patriotismus' als kein Patriotismus

Fußballpatriotismus: Warum Deutschland mit Nationalstolz hadert

Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersucht den Zusammenhang zwischen Fußballpatriotismus und dem Aufstieg politischer Bewegungen wie Pegida und AfD. Der von Juri Sternburg gedrehte Film legt nahe, dass offene Zeugen nationaler Stolzes in Deutschland oft kontroverse Diskussionen auslösen. Viele Deutsche tun sich nach wie vor schwer, die Feiertage oder Symbole ihres Landes ohne Vorbehalte zu zelebrieren.

Alle vier Jahre löst die Fußball-Weltmeisterschaft eine spürbare Welle des Nationalstolzes in Deutschland aus. Eine Elternteil erinnerte sich, wie ihr jüngster Sohn vor dem Turnier das Familienauto mit Deutschlandflaggen schmückte. Doch abseits solcher Anlässe bleiben öffentliche Bekundungen von Patriotismus selten.

Politiker haben sich häufig vor allzu deutlicher nationaler Gesinnung gehütet. Angela Merkel etwa verwendete in ihren Reden nie Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013 konfiszierte sie sogar eine Deutschlandfahne, die ihr Parteikollege Hermann Gröhe am Wahlabend geschwenkt hatte. Sternburg argumentiert, dass diese zurückhaltende Haltung möglicherweise ungewollt die Neugier auf Flaggen, Banner und Nationalismus geschürt habe.

Der Dokumentarfilm zeigt die Spannung in der deutschen Gesellschaft zwischen dem durch Fußball befeuerten Patriotismus und politischer Zurückhaltung. Während große Turniere nationale Symbole vorübergehend normalisieren, dauert die grundsätzliche Debatte über Identität und Stolz an. Die politische Klasse ringt nach wie vor damit, offene Ausdrucksformen nationalen Gefühls zu akzeptieren.

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