Fiktiver AfD-Prozess im Thalia Theater entzündet Verbotsdebatte in Hamburg
Henry SeidelFiktiver AfD-Prozess im Thalia Theater entzündet Verbotsdebatte in Hamburg
Fiktiver Prozess in Hamburg entfacht Debatte über AfD-Verbot
Ein fiktiver Gerichtsprozess im Hamburger Thalia Theater hat die Diskussion über ein mögliches Verbot der rechtspopulistischen AfD neu entfacht. Bei der inszenierten Verhandlung sprachen sich fünf von sieben Geschworenen dafür aus, eine Prüfung des Verbots durch das Bundesverfassungsgericht zu erwägen. Die Veranstalter präsentierten das Experiment als mutigen Beitrag zur öffentlichen Debatte.
Der "Prozess gegen Deutschland" war Teil des "Wiener Kongress"-Formats, das der Schweizer Regisseur Milo Rau, Leiter des Wiener Festivals, nach Hamburg brachte. Ähnlich wie bei einer vergleichbaren Veranstaltung im vergangenen Jahr in Wien, bei der über die Zukunft der österreichischen FPÖ diskutiert wurde, handelte es sich um eine fiktive Gerichtsverhandlung.
Im Mittelpunkt des Hamburger Prozesses standen zwei kontroverse Fragen: Sollte die AfD verboten werden? Und sollten soziale Medien für unter 16-Jährige eingeschränkt werden? Die Geschworenen, die aus dem Publikum rekrutiert wurden, hörten sich die Argumente an, bevor sie ihre Stimmen abgaben. Das Ergebnis – fünf für eine Prüfung eines AfD-Verbots – spiegelte eine gespaltene, aber engagierte Öffentlichkeit wider.
Schon vor Beginn der Veranstaltung gab es Streit. Der Journalist Harald Martenstein zog Kritik auf sich, weil er sich gegen ein AfD-Verbot aussprach und dies als unzulässigen Eingriff bewertete. Seine Haltung kollidierte mit der vieler Teilnehmer, die eher für Einschränkungen der Partei plädierten.
Dieses Format hatte bereits in Österreich für Polarisierung gesorgt. Beim "Wiener Kongress" 2024 stimmte eine rund 1.000-köpfige Jury – überwiegend verbotsbefürwortend – mit 5:2 dafür, die FPÖ zu prüfen, aber nicht sofort zu verbieten. Die Reaktionen von links wie rechts zeigten, wie tief das Thema die Gesellschaft bewegt: Manche hielten die Debatte für notwendig, andere taten sie als politisches Theater ab.
Raus Ansatz, Kunst und Aktivismus zu verbinden, sorgt für Gesprächsstoff. Mit seinen inszenierten Prozessen zwingt er das Publikum, sich in einem kontrollierten, theatralischen Rahmen mit realen Dilemmata auseinanderzusetzen. Wie schon die Wiener Vorlage hinterließ auch die Hamburger Veranstaltung die Teilnehmer gespalten, aber zweifellos zum Nachdenken angeregt.
Das Ergebnis des Prozesses hat zwar keine rechtliche Bindung, unterstreicht aber das wachsende öffentliche Interesse an der Zukunft der AfD. Dass sich fünf Geschworene für eine Prüfung aussprachen, deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil des Publikums die Partei für verfassungsrechtlich bedenklich hält. Gleichzeitig bleibt die Debatte über Social-Media-Beschränkungen für Minderjährige ungelöst – ein Zeichen dafür, wie komplex diese Themen geworden sind.
Jury Delivers 4-3 Verdict on AfD's Constitutionality
The fictional AfD trial in Hamburg concluded with a detailed jury verdict. Key findings include:
- A 4-3 vote declaring the AfD unconstitutional in core aspects.
- A call for Bundesverfassungsgericht review of a potential ban.
- A demand to exclude the AfD from state funding. The three-day event, featuring real legal experts, ended on 15 February 2026.






