Deutsche Luftfahrt kämpft mit Kerosinpreisen und schwachen Passagierzahlen
Moritz HartmannDeutsche Luftfahrt kämpft mit Kerosinpreisen und schwachen Passagierzahlen
Deutschlands Luftfahrtbranche steckt in der Krise: Hohe Kerosinpreise und schwache Passagierzahlen belasten die Unternehmen
Die deutsche Luftfahrtbranche sieht sich mit massiven Herausforderungen konfrontiert: Die Treibstoffkosten schnellen in die Höhe, während die Passagierzahlen weiterhin unter dem Niveau von vor der Pandemie liegen. Da sich die Kerosinpreise seit Ende 2023 mehr als verdoppelt haben, streichen Airlines Strecken und Arbeitsplätze, während politische Debatten über die Luftverkehrsteuer zusätzliche Unsicherheit schaffen.
Die Krise verschärfte sich nach dem Zusammenbruch von Spirit Airlines am 2. Mai 2023, der das Ende von 62 Jahren Flugbetrieb markierte. Seither sind die Kerosinpreise weiter explodiert und machen mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten der Airlines aus. Als Reaktion kündigte die Lufthansa an, bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge zu streichen – eine Maßnahme, die voraussichtlich 40.000 Tonnen Treibstoff einsparen wird.
Die finanzielle Belastung betrifft jedoch nicht nur die Fluggesellschaften. Rund 10.000 Arbeitsplätze in der Branche sind mittlerweile gefährdet. Gleichzeitig stieg die deutsche Luftverkehrsteuer (LuftVSt) im Mai 2024 um 19,4 Prozent, was die Airlines weiter unter Druck setzt. Die Bundesregierung hat zwar eine Senkung der Abgabe um 16,1 Prozent vorgeschlagen, doch die AfD fordert eine vollständige Abschaffung bis zum 1. Dezember 2024.
Auch beim Passagieraufkommen gibt es noch keine vollständige Erholung. 2025 fertigten deutsche Flughäfen 219,8 Millionen Reisende ab – immer noch 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Da zudem die Hälfte aller Luftfracht in Passagiermaschinen transportiert wird, könnten weniger Flüge die Lieferketten beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund wird Friedrich Merz auf der Berliner Luftfahrtschau (ILA) im Juni die Nationale Luftfahrtstrategie Deutschlands vorstellen. Branchenbeobachter zweifeln jedoch daran, ob der Plan ausreicht, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wiederherzustellen.
Die Luftfahrtbranche muss sich auf weitere Turbulenzen einstellen, denn hohe Treibstoffkosten, reduzierte Flugverbindungen und politische Entscheidungen über Steuern setzen ihr schwer zu. Mit drohenden Arbeitsplatzverlusten und gefährdeten Frachtnetzwerken bleibt die Erholung der Branche fragil. Die anstehende Nationale Luftfahrtstrategie könnte zwar eine Richtungsweisung bieten – doch ihr Erfolg ist alles andere als gesichert.







