Deutsche Logistikbranche kämpft mit Rekordinsolvenzen und dünnen Margen
Henry SeidelDeutsche Logistikbranche kämpft mit Rekordinsolvenzen und dünnen Margen
Deutschlands Transport- und Logistikbranche steht unter wachsendem finanziellen Druck. Steigende Kosten, schmale Gewinnspannen und verzögerte Zahlungseingänge treiben viele Unternehmen an den Rand des Ruins. Branchenexperten warnen, dass anhaltende Störungen die Lage weiter verschärfen könnten.
Ein aktueller Bericht des Kreditversicherers Atradius unterstreicht die prekäre Situation kleiner und mittlerer Transportunternehmen: Jedes vierte Unternehmen ist derzeit stark insolvenzgefährdet. Allein im vergangenen Jahr meldeten 469 Logistikfirmen in Deutschland Insolvenz an – darunter 19 mit einem Jahresumsatz von über 10 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg der Pleitefälle um 5,6 Prozent im Vergleich zu 2024.
Die Margen in der Branche bleiben extrem niedrig, oft unter drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten weiter und belasten die ohnehin angespannten Budgets. Viele Unternehmen müssen Treibstoff vorfinanzieren, warten jedoch bis zu 60 Tage auf die Begleichung ihrer Rechnungen durch Kunden – eine zusätzliche Belastung für die Liquidität.
Auch die globalen Wachstumsprognosen wurden nach unten korrigiert. Die Wirtschaftsforschungsgesellschaft Oxford Economics erwartet für 2025 nun nur noch ein Plus von 2,4 Prozent im Transport- und Logistiksektor – ein Prozentpunkt weniger als bisher prognostiziert. Sollten sich die Störungen in der Straße von Hormus länger als sechs Monate hinziehen, drohe sogar ein kompletter Wachstumsstillstand, warnt der Bericht.
Kritiker monieren, dass die bisherigen staatlichen Hilfsmaßnahmen unzureichend seien. Atradius betont, die bereitgestellten Mittel linderten die zunehmende finanzielle Belastung der Branche kaum.
Die Zukunft der deutschen Transport- und Logistikwirtschaft bleibt ungewiss. Mit steigenden Insolvenzzahlen und schrumpfenden Gewinnmargen kämpfen viele Unternehmen ums Überleben. Ohne entschlossenes Gegensteuern könnten sich die Probleme in den kommenden Monaten weiter verschärfen.






