BVVA fordert radikale Apotheken-Reformen gegen Bürokratie und Fachkräftemangel
Lina FuchsBVVA fordert radikale Apotheken-Reformen gegen Bürokratie und Fachkräftemangel
Der Bundesverband der Versorgungsapotheker (BVVA) drängt auf tiefgreifende Reformen im deutschen Apothekenwesen. Eine zentrale Forderung ist die Einführung eines Modells der "Apotheken-GmbH", um jüngere Apothekerinnen und Apotheker für den Beruf zu gewinnen. Gleichzeitig verlangt der Verband eine grundlegende Neuregelung der umstrittenen Nulltarif-Rückforderungen durch die Krankenkassen.
Obwohl jüngste Gerichtsurteile die rechtliche Lage komplexer gemacht haben, kämpfen Apotheken weiterhin täglich mit finanziellen und bürokratischen Belastungen durch diese Rückforderungen. Der BVVA kritisiert, dass aktuelle Pläne zur Einschränkung der Praxis nicht ausreichen, um die Apotheken spürbar zu entlasten.
In den vergangenen fünf Jahren haben deutsche Gerichte mehrere wegweisende Entscheidungen zu Nulltarif-Rückforderungen getroffen. 2021 urteilte das Bundessozialgericht (BSG), dass Rückforderungen unzulässig sind, wenn der Nachweis über die Patientenzuzahlung fehlt. Spätere Urteile – etwa das des Bundesarbeitsgerichts 2023 und ein weiteres BSG-Urteil 2025 – verschärften jedoch die Beweisanforderungen, sodass viele Rückforderungsversuche scheiterten. Trotz dieser rechtlichen Entwicklungen müssen Apotheken nach wie vor erhebliche Zeit und Ressourcen aufbringen, um unberechtigte Forderungen abzuwehren.
Der BVVA betont, dass Apotheken nicht als "Inkassostellen" für die Krankenkassen fungieren sollten. Stattdessen schlägt der Verband vor, dass die Kassen die Patientenzuzahlungen direkt einziehen. Zudem fordert er bundesweit einheitliche Preise für alle von Apotheken abgegebenen Hilfsmittel, die zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband) und der Bundesapothekerkammer (BAK) ausgehandelt werden sollen.
Über die finanziellen Herausforderungen hinaus weist der BVVA auf die Notwendigkeit einer besseren Koordination in der pharmazeutischen Versorgung hin – insbesondere für vulnerable Patientengruppen wie Bewohner von Pflegeheimen oder Empfänger von ambulanter Pflege, bei denen eine zuverlässige Medikamentenversorgung entscheidend ist.
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, unterstützt der BVVA das Apotheken-GmbH-Modell. Diese Struktur würde es teilzeitbeschäftigten Apothekerinnen und Apothekern ermöglichen, stärker in Leitungsfunktionen einzusteigen, und könnte so den Beruf für die jüngere Generation attraktiver machen. Der Verband hält solche Reformen für unverzichtbar, um die Zukunft der öffentlichen Apotheken zu sichern.
Die Vorschläge des BVVA zielen darauf ab, den bürokratischen Aufwand zu verringern und die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken zu stärken. Sollte das GmbH-Modell eingeführt werden, könnte es die Arbeitsmarktteilhabe verändern, während einheitliche Preise und die direkte Abwicklung der Zuzahlungen durch die Kassen Streitigkeiten über Rückforderungen reduzieren würden. Der Verband fordert die Politik auf, die Reformen zügig umzusetzen.