Berliner Messerangriffe steigen – AfD nutzt Wahlkampf mit neuer "Messer-App"
Henry SeidelBerliner Messerangriffe steigen – AfD nutzt Wahlkampf mit neuer "Messer-App"
Messattacken in Berlin sind vor den anstehenden Wahlen zu einem zentralen politischen Thema geworden. Im Jahr 2024 verzeichnete die Hauptstadt 3.599 Messerangriffe – ein Anstieg um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unterdessen hat die rechtspopulistische AfD ein neues Tool eingeführt, um Vorfälle zu dokumentieren, und wirft der Regierung vor, wichtige Details zu den Tätern zu verschweigen.
Laut Polizeistatistiken gab es in Berlin 2023 insgesamt 3.412 Messerangriffe, 2024 stieg die Zahl auf 3.599. Als Reaktion darauf hat die Stadt drei Waffenverbotszonen eingerichtet und Spezialeinheiten zur Bekämpfung der Gewalt eingesetzt. Auch die Schusswaffengewalt nahm zu: 2025 wurden 1.119 Waffendelikte registriert – ein Anstieg um 68 Prozent.
Die Berliner AfD hat die Messerkriminalität zum Wahlkampfthema gemacht. Ihre neu veröffentlichte "Messer-App" zeigt die letzten 30 Tage polizeilich erfasster Vorfälle an, inklusive Verletztenzahlen und einer interaktiven Karte der Tatorte. Parteichefin Kristin Brinker kritisierte die regierende Koalition wegen mangelnder Transparenz und behauptete, die öffentliche Angst nehme zu, weil die Kriminalitätsberichte unvollständig seien.
Berlin ist eines der wenigen Bundesländer, das in Fällen von Messerattacken die Nationalitäten der Tatverdächtigen nicht veröffentlicht. Die AfD argumentiert, ein Abgleich der Polizeiberichte mit den offiziellen Kriminalstatistiken zeige erhebliche Lücken in den Daten. Sie fordert mehr Details, etwa zu den Verfolgungsquoten der 1.906 identifizierten Verdächtigen aus dem Jahr 2024. Doch es gibt keine zusammenfassenden Zahlen zu Verurteilungen oder rechtlichen Konsequenzen.
Die Linke wirft der AfD vor, gezielt Angst zu schüren und Kriminalstatistiken für fremdenfeindliche Stimmungsmache zu instrumentalisieren.
Die Debatte um Messergewalt in Berlin bleibt umstritten, während sich die politischen Gräben vertiefen. Die AfD setzt mit ihrem Tracking-Tool und Forderungen nach mehr Transparenz auf Konfrontation – doch die Vorwürfe der Angstmache halten an. Ohne klare Daten zu Strafverfolgungen und Verurteilungen bleibt das Thema vor den Wahlen ungelöst.






