Berlin feiert Newroz mit neuem Konzept zwischen Tradition und Widerstand
Henry SeidelBerlin feiert Newroz mit neuem Konzept zwischen Tradition und Widerstand
Berlin feiert Newroz in diesem Jahr mit neuem Ansatz
In diesem Jahr begeht Berlin das Newroz-Fest mit frischem Konzept: Zwei bedeutende Kulturinstitutionen – das Humboldt Forum und das Haus der Kulturen der Welt – richten die Feierlichkeiten erstmals aus. Im Mittelpunkt stehen Traditionen der kurdischen, zentralasiatischen, usbekischen, iranischen und afghanischen Gemeinschaften, während zugleich die Geschichte der Unterdrückung des Festes thematisiert wird.
Die Veranstaltungen sind Teil des Jahresprogramms des Humboldt Forums unter dem Motto "Beziehungen: Familie" und positionieren Newroz als ein generationenübergreifendes, kulturverbindendes Fest.
Newroz – auch als Nowruz bekannt – ist tief in über 20 Ländern verwurzelt, von Iran und Afghanistan bis in die Türkei und Zentralasien. Doch seine Feiern wurden an vielen Orten verboten, etwa in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban, wo die vorislamischen, zoroastrischen Ursprünge des Festes mit strengen islamischen Auslegungen kollidieren. Im Iran wurde Nowruz jahrzehntelang unterdrückt: zunächst während der Modernisierungskampagnen der Pahlavi-Monarchie, später von der Islamischen Republik, die es als "unislamisch" brandmarkte. Dennoch halten Iranerinnen und Iraner an der Tradition fest – etwa mit dem Ritual des Feuersprungs, um den Frühling willkommen zu heißen.
Das diesjährige Berliner Programm spiegelt sowohl die Freude als auch die Widerstände wider, die mit dem Fest verbunden sind. Im Humboldt Forum gestalten sieben lokale Vereine ein vielseitiges Programm mit Drachenbau, Eierbemalung und traditionellen Tänzen. Eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Nowruz zwischen Schmerz und Hoffnung: iranische und afghanische Perspektiven" beleuchtet, wie Menschen das Fest trotz Repression feiern.
Das Haus der Kulturen der Welt setzt hingegen einen anderen Schwerpunkt: Kuratorin Ava Irandoost widmet die Veranstaltung ganz der persischen Kultur und rückt dabei Künstlerinnen in den Fokus. Das Programm verbindet klassische Musik mit kurdischem Rock und spricht bewusst ein breites Publikum an. Beide Häuser betonen die Rolle des Festes als Ort kulturellen Stolzes und Widerstands.
Die Berliner Feiern bieten eine seltene öffentliche Bühne für Newroz-Bräuche, die in einigen Ländern noch immer verboten sind. Durch die Verbindung von familienfreundlichen Aktivitäten mit Debatten über Unterdrückung unterstreichen die Veranstaltungen die anhaltende Bedeutung des Festes. Die Organisatorinnen und Organisatoren hoffen, dass das Programm das interkulturelle Verständnis fördert – und dabei die Wurzeln von Newroz ehrt.






