Bergkirchweih in Erlangen verbietet "problematische" Partyschlager – ist das Zensur oder Fortschritt?
Moritz HartmannBergkirchweih in Erlangen verbietet "problematische" Partyschlager – ist das Zensur oder Fortschritt?
Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht in diesem Jahr wegen seiner Musikauswahl in der Kritik. Die Stadt hat mehrere klassische Partyschlager verboten und sie als sexistisch oder beleidigend eingestuft. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr unerwünschte körperliche Berührungen erlebt und sich durch Songtexte unwohl gefühlt hatte.
Fast eine Million Besucher werden auf dem Fest erwartet, doch einige Künstler und Wirte stellen die neuen Regeln infrage.
Auslöser war der Vorfall einer Besucherin im Jahr 2023, die sich auf dem Fest unsicher gefühlt hatte. Sie berichtete von „begrapschten“ Frauen durch aufdringliche Männer und kritisierte Lieder, die sie als unangemessen empfand. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen eine Liste „problematischer Partyschlager“.
Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 beschlossen, Titel mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu verurteilen. Nun sind bekannte Kultlieder wie Skandal im Sperrbezirk sowie Songs von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel auf dem Index gelandet. Die neue Haltung der Stadt wird spöttisch mit dem Spruch kommentiert: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“
Nicht alle stehen hinter dem Verbot. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Maßnahme mit Zensur in der DDR. Der ebenfalls betroffene Sänger Peter Wackel behauptete, viele Künstler hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen der strengen Vorgaben. Gleichzeitig zeigen sich lokale Wirte skeptisch, ob die Blacklist tatsächlich etwas an der Festkultur ändern wird.
Die Bergkirchweih, eines der größten Volksfeste Deutschlands, dauert zwölf Tage und zieht Besucher aus dem ganzen Land an. Die Veranstalter betonen, die Änderungen sollten ein sicheres Umfeld für alle schaffen.
Der Eingriff markiert einen Wandel in Erlangens Festtradition. Mit fast einer Million erwarteter Gäste wird sich bald zeigen, wie die neuen Regeln wirken. Künstler, Wirte und Besucher müssen sich nun an strengere Inhaltsvorgaben halten.







