Bachmann-Preis 2024: Mutige Literatur und Debatten über Macht und Geld
Emma KrügerBachmann-Preis 2024: Mutige Literatur und Debatten über Macht und Geld
Der Bachmann-Preis 2024: Mutige Geschichten und scharfe Debatten in Klagenfurt
Beim diesjährigen Bachmann-Preis in Klagenfurt gab es kühne Erzählungen und kontroverse Diskussionen. Eine rein weiblich besetzte siebenköpfige Jury zeichnete eine beeindruckende Geschichte über ein Leben in Entbehrung mit dem Hauptpreis aus. Die Veranstaltung löste zudem Debatten über Geld und Macht in der Literatur aus.
Eröffnet wurde das Festival mit Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“, das mit einer surreale Szene aufwartete: Gott selbst saß auf der Anklagebank, wurde aber nach einer wahrheitsgemäßen Aussage freigesprochen. Das Motiv eines „Flecks“ – einer Makel oder Spur – zog sich durch viele der eingereichten Texte und verband die Lesungen thematisch.
Slata Roschal betrat die Bühne mit einem Text, der zunächst prekäre Lebensumstände aufzugreifen schien, sich dann aber kritisch mit der Literaturwelt selbst auseinandersetzte. Sie prangerte schlecht bezahlte Stipendien und magere Honorare an und entlarvte so die finanziellen Hierarchien des Betriebs. Nach ihrem Auftritt kündigte sie an, sofort zu gehen – eine Diskussion mit der Jury lehnte sie ab.
Auch die Jury selbst thematisierte die wirtschaftlichen Realitäten im Verlagswesen. Sie wies darauf hin, wie literarischer Wert oft in Geld gemessen wird. Dennoch feierte sie die Kreativität der Autor:innen, lobte frische Ideen und prägnante Formulierungen. Nur wenige Texte wurden rundweg abgelehnt.
Thomas Schaette gewann sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für „Was wir tragen“. Seine Geschichte von zwei übergewichtigen Schulmädchen und ihren lebenslangen Kämpfen überzeugte besonders. Das Festival endete mit einer Würdigung des Erfindungsgeists – und dem Appell, die Ungleichheiten in der Branche endlich anzugehen.
