14 March 2026, 18:03

Apothekenreform spaltet Branche: Droht das Aus für ländliche Standorte?

Ein Plakat mit Text ├╝ber Arzneimittelpreisdifferenzen im Jahr 2022, darunter ein paar Flaschen und eine Spritze.

Apothekenreform spaltet Branche: Droht das Aus für ländliche Standorte?

Deutschlands Apothekenbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen, während die Abgeordneten über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) debattieren. Die geplanten Reformen haben in der Branche kontroverse Reaktionen ausgelöst – mit Sorgen über den Rückgang der Apothekenzahlen und die künftige Rolle der Apotheker. Vertreter aus medizinischen Verbänden, Apothekerorganisationen und Wohlfahrtsverbänden bringen dabei unterschiedliche Prioritäten ein.

Aktuell prüft der Gesundheitsausschuss des Bundestags den Gesetzentwurf, der die Arbeitsweise von Apotheken grundlegend reformieren soll. Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), unterstützte Pläne, die Festgebühr durch neue Regelungen anzuheben. Gleichzeitig wies er auf einen besorgniserregenden Trend hin: Die Zahl der Apotheken ist von etwa 21.500 im Jahr 2010 auf rund 19.200 heute gesunken. Seit 2020 hat sich der Rückgang beschleunigt – 100 bis 150 Apotheken schließen jährlich, besonders betroffen sind ländliche Regionen in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Preis warnte vor Maßnahmen, die den Berufsstand weiter schwächen könnten, etwa wenn Apotheken ohne qualifiziertes Personal oder vor Ort befindliche Labore betrieben werden dürfen.

Andere Branchenvertreter äußerten eigene Bedenken. Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) lehnte Pläne ab, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben. Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte Vorschläge für eine Apothekenvertretung ohne zusätzliche Qualifizierung ab. Dr. Elisabeth Fix von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) forderte hingegen eine verpflichtende Benachrichtigung, wenn E-Rezepte an Pflegeeinrichtungen übermittelt werden.

Auch Versorgungsketten und Kostenfragen standen im Fokus der Debatte. Bork Bretthauer von Pro Generika lobte die stabile Verfügbarkeit von Biosimilars, sprach sich aber für ein Verbot von Exklusivverträgen aus, die den Wettbewerb einschränken könnten. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband forderte schärfere Kontrollen für Logistikunternehmen, die Arzneimittel lagern und transportieren. Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) plädierte für eine Neuregelung der Erstattungsbedingungen bei Rezepturen und betonte die Notwendigkeit fairer finanzieller Rahmenbedingungen.

Preis drängte auf schnelle Lösungen und verwies auf wirtschaftlichen Druck und demografische Veränderungen als Hauptgründe für den Apothekensterben. Ohne Gegenmaßnahmen, warnte er, könnte sich die Versorgung in unterversorgten Regionen weiter verschlechtern.

Die Diskussionen um das ApoVWG offenbaren tiefe Gräben bei der Frage, wie Kosten, Zugang zu Medikamenten und berufliche Standards in Deutschlands Apothekennetz in Einklang gebracht werden können. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnte es die Arzneimittelverteilung, Erstattungsregeln und Personalvorgaben grundlegend verändern. Die Entscheidung wird mitbestimmen, ob ländliche Apotheken in der Krise überleben – oder ob die Schließungswelle ungebremst weitergeht.

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