
Anticimex: Hamburgs unsichtbare Schädlingsbekämpfer seit 1934
Anticimex hat seit 1934 seinen Sitz in der Hammerbrookstraße – so lange schon, dass sich die Straße selbst wohl mehr verändert hat als die Adresse des Unternehmens. Das Büro ist noch immer dort, eingezwängt zwischen dem Lärm des Oberhafens und dem Treiben in Hamburgs östlichem Stadtteil. Fast 90 Jahre später ist aus dem lokalen Betrieb ein Unternehmen geworden, das bundesweit Aufträge übernimmt – auch wenn man das von außen nicht unbedingt erkennen würde.
Keine grellen Werbeplakate, kein aufdringlicher Verkauf. Die üblichen Zertifikate hat man – CEPA, ISO 9001 – und rund 250 Techniker, die über ganz Deutschland verteilt sind. Ratten, Kakerlaken, das übliche Programm. Dazu kommen Lebensmittelhygienekontrollen für Betriebe, was nach trockener Bürokratie klingt, bis man bedenkt, wie viele Einrichtungen ohne solche Checks durchrutschen würden. Und Taubenabwehr, weil Städte immer wieder Gebäude hochziehen, in denen die Vögel nur allzu gern nisten. Die Kunden reichen von kommunalen Aufträgen bis hin zu verzweifelten Familien, die wegen eines Wespennests unter dem Dach anrufen.
Die Arbeitszeiten sind regulär – von 8 bis 19 Uhr, Montag bis Freitag, keine Wochenenddienste. Für einen Notdienst eher ungewöhnlich. Doch ein großer Teil ihrer Arbeit ist präventiv, nicht nur das Eingreifen, wenn das Chaos schon perfekt ist. Die Bewertungen? Durchwachsen, wie zu erwarten. Ein Schnitt von 3,9 aus 45 Bewertungen bedeutet: Manche sind zufrieden, andere nicht – je nachdem, ob ihr Problem mit einer schnellen Lösung erledigt war oder sich hartnäckig zurückmeldete.
Das Gebäude selbst fällt kaum auf. Kein riesiges Logo, kein auffälliges Schild – nur eine Tür mit der Nummer 47A und ein Büro, das sachlich wirkt. Wer sie braucht, ruft an oder schaut auf der Website vorbei. Die Reaktionszeiten variieren, wie in jedem Handwerk, bei dem die Hälfte der Arbeit darin besteht, erst einmal herauszufinden, worum es eigentlich geht. Irgendwo in ihren Unterlagen ist von Nachhaltigkeit die Rede, doch ob das andere Chemikalien, bessere Fallen oder einfach nur realistische Versprechungen bedeutet, bleibt unklar.
Hamburg ist voller alter Lagerhallen, die zu Lofts umgebaut wurden, und neuester Apartments mit dünnen Wänden – ein Paradies für Schädlinge. Anticimex hält sich seit Jahrzehnten über Wasser, weil es immer jemanden gibt, der ein Problem hat, das sich nicht ignorieren lässt. Die meiste Zeit denkt niemand an sie. Doch dann beißt eine Maus ein Kabel durch oder ein Restaurant wird wegen Hygienemängeln geschlossen – und plötzlich ist ihre Nummer die einzige, die jemand wählt.







