16 March 2026, 12:02

25 Jahre nach NSU-Mord: Hamburg gedenkt Süleyman Taşköprü mit kritischer Erinnerungskultur

Das Wappen von Hamburg zeigt zwei bewaffnete Gestalten, die ein zentrales Emblem flankieren, mit Text darunter.

Gedenkveranstaltung für das NSU-Opfer S"uleyman Taşkoğlu in Hamburg - 25 Jahre nach NSU-Mord: Hamburg gedenkt Süleyman Taşköprü mit kritischer Erinnerungskultur

Vor einem Vierteljahrhundert wurde Süleyman Taşköprü in seinem Hamburger Gemüseladen ermordet. Nun bereiten politische Gruppen und lokale Initiativen eine Gedenkveranstaltung vor, um sein Leben zu ehren. Die Erinnerung soll auch die Versäumnisse im Umgang mit den rechtsextremen NSU-Morden thematisieren und die Notwendigkeit einer stärkeren Erinnerungskultur in der Stadt betonen.

Am 27. Juni 2001 wurde Süleyman Taşköprü von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, Mitgliedern des neonazistischen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), erschossen. Der 31-Jährige führte gemeinsam mit seinem Vater einen Obst- und Gemüseladen in Hamburg-Bahrenfeld. Sein Tod war einer von zehn rassistisch motivierten Morden des NSU zwischen 2000 und 2007, die sich gegen Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie einen Polizisten richteten.

Jahre lang konzentrierten sich die Ermittler fälschlicherweise auf das Privatleben der Opfer statt auf das rechtsextreme Terrornetzwerk. Hamburg bleibt das einzige Bundesland, in dem der NSU einen Mord verübte, ohne dass jemals ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss einberufen wurde. Während andere Regionen wie Hessen und Nordrhein-Westfalen bereits vor Jahren Gremien einsetzten, beauftragte Hamburg erst 2025 ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum mit der Aufarbeitung.

Die anstehende Gedenkveranstaltung wird vom Verein Licht ins Dunkel organisiert und von den Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und der Linken unterstützt. Im Mittelpunkt der Planung steht die Achtung der Wünsche der Familie Taşköprü. Ziel ist es, eine würdige Ehre zu erweisen und gleichzeitig Hamburgs Haltung gegen Rechtsextremismus zu unterstreichen.

Ein Forschungsbericht aus dem Jahr 2025 wies auf anhaltende Defizite im Umgang mit den NSU-Verbrechen hin. Hamburgs Vorgehen war im Vergleich zu anderen Bundesländern zögerlich, und die Umsetzung von Empfehlungen erfolgte ungleichmäßig. Die Gedenkveranstaltung soll diese Lücken schließen und die Einheit im Gedenken fördern.

Die Veranstaltung zum 25. Jahrestag markiert einen wichtigen Moment für Hamburgs Auseinandersetzung mit dem NSU-Erbe. Indem die Perspektive der Familie Taşköprü in den Vordergrund gerückt wird, hoffen die Organisatoren, das Engagement der Stadt für die Erinnerung an die Opfer zu stärken. Gleichzeitig dient die Zusammenkunft als Appell, wachsam gegen rechtsextreme Gewalt und systemische Versäumnisse zu bleiben.

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